© sanneberg / shutterstock.com

8 Teilzeitarbeitsmodelle für individuelle Bedürfnisse

Tanja Tänzer am 21.02.2018
ca. 979 Worte
ungefähre Lesezeit 3 Minuten 33 Sekunden
8 Teilzeitarbeitsmodelle für individuelle Bedürfnisse
© ESB Professional | shutterstock.com
Inhalt:
  1. Acht übliche Teilzeitmodelle
    1. 1. Teilzeit Classic
    2. 2. Teilzeit Classic Vario
    3. 3. Teilzeit Jobsharing
    4. 4. Teilzeit Invest
    5. 5. Teilzeit Team
    6. 6. Teilzeit Saison
    7. 7. Teilzeit Home
    8. 8. Flexible Arbeitsstunden
  2. Und so beantragen Sie Teilzeit

Teilzeitarbeit ist heutzutage längst mehr als der typische Halbtagsjob, der oftmals damit gleichgesetzt wird. Allein 200 unterschiedliche Modelle sind im „Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge“, kurz TzBfG, aufgeführt und rechtlich geregelt. Denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht bei vielen Arbeitnehmern ganz oben auf der Prioritätenliste. Und da bietet die Teilzeit – im Gegensatz zu vielen anderen Möglichkeiten wie etwa dem 450-Euro-Job – den Vorteil, dass sie rein rechtlich mit der Vollzeitbeschäftigung gleichgestellt ist, was etwa Arbeitsplatzsicherheit und soziale Absicherung anbelangt. Wir wollen Ihnen die gängigsten Teilzeitmodelle einmal vorstellen.

Acht übliche Teilzeitmodelle

1. Teilzeit Classic

Der Klassiker der Teilzeitarbeit, bei dem die täglichen Arbeitsstunden einfach reduziert werden. Für Sie als Arbeitnehmer liegt der Vorteil in einem geregelten Arbeitsalltag, der sich nicht groß von Ihrem bisherigen unterscheidet und in einem Plus an täglicher Freizeit. Denn Sie gehen weiterhin an fünf Tagen die Woche ins Unternehmen, haben jedoch – je nach vereinbarter Stundenzahl – entsprechend früher Feierabend oder arbeiten nur den halben Tag.

2. Teilzeit Classic Vario

Sie können Ihre wöchentliche Arbeitszeit aber auch an weniger als fünf Tagen ableisten, beispielsweise indem Sie drei ganze Tage arbeiten und zwei freihaben. Oder Sie verteilen Ihre Stunden auf zwei ganze und zwei halbe Tage. Je nachdem gewinnen Sie komplette freie Tage und/oder Stunden dazu. Außerdem sind Sie flexibler in der Gestaltung als beim Modell Teilzeit Classic.

3. Teilzeit Jobsharing

Diese Art der Teilzeitarbeit setzt eine hohe Eigenverantwortlichkeit und eine hervorragende Kommunikation zwischen den Mitarbeitern voraus die sich eine Vollzeitstelle quasi teilen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Wer sich zum Jobsharing entschließt, kann auch weiter an anspruchsvollen Vollzeitprojekten mitarbeiten und diese sogar verantwortlich leiten. Je nach vereinbarter Stundenaufteilung haben Sie an den einzelnen Tagen mehr Freizeit durch weniger Stunden oder ganze freie Tage unter der Arbeitswoche. Auch hier kommt es – wie beim Projekt selbst – eben ganz auf die funktionierende Abstimmung mit Ihrer „zweiten Hälfte“ an.

4. Teilzeit Invest

Im eigentlichen Wortsinne keine echte Teilzeit ist die Teilzeit Invest, denn der Arbeitnehmer arbeitet ganz normal in Vollzeit weiter, wird aber nur für Teilzeit bezahlt. Der Sinn darin besteht in der „Ansparung“ der Überzeit auf einem Langzeitkonto. Das soll Ihnen schließlich – je nach Vorliebe – eine längere bezahlte Auszeit von mehreren Wochen oder Monaten oder sogar den vorzeitigen Ruhestand ohne Abzüge (die Arbeit wurde ja bereits geleistet) ermöglichen. Ihr mehr an Freizeit kommt also geballt – ideal für eine längere Reise oder die ungestörte Weiterbildung.

5. Teilzeit Team

Mehr Flexibilität geht eigentlich nicht, denn Sie stimmen Ihre Arbeitszeiten direkt mit Ihren Kollegen im Team ab. Der Arbeitgeber gibt nur vor, wie viele Mitarbeiter zu festgelegten Zeiten da sein müssen – alles Weitere wird untereinander geregelt. So sind sogar ganze freie Wochen drin, wenn Sie dafür eine andere in Vollzeit arbeiten. Sie müssen sich aber auch darüber im Klaren sein, dass sich bei diesem Modell kurzfristig auch mal Änderungen ergeben können. Dafür bietet sich Ihnen aber ein Höchstmaß an persönlicher Stundengestaltung.

6. Teilzeit Saison

Besonders in Betrieben mit Saisongeschäft bietet es sich an während der Hauptauslastung Vollzeit zu arbeiten und die damit geleisteten „Überstunden“ bei einem Teilzeitvertrag in Freizeit abzubauen, wenn die Aufträge weniger werden. Ihr Vorteil: Sie können jeden Monat mit einem gleichbleibenden Gehalt rechnen und bekommen das angestrebte Mehr an Freizeit am Stück.

7. Teilzeit Home

Sie arbeiten ganz oder einen Teil der vereinbarten Stunden von zu Hause aus. Das erfordert vom Chef ein hohes Maß an Vertrauen in den Arbeitnehmer und von diesem wiederum eine eigenverantwortliche und durchstrukturierte Arbeitsweise. Dennoch sollten die Arbeitszeiten im Homeoffice fest vereinbart sein, um die Verfügbarkeit sicherzustellen. An einzelnen Tagen oder für einzelne Stunden kann auch die Anwesenheit im Unternehmen ausgemacht werden. Die freie Zeit wird noch einmal mehr, denn die Fahrzeiten zur Arbeitsstelle entfallen.

8. Flexible Arbeitsstunden

Sie können mit Ihrem Arbeitgeber auch ein flexibles Stundenmodell vereinbaren, sprich: Sie kommen mehr oder weniger auf Abruf. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Gesetzgeber vorschreibt, dass ein Minimum von zehn Wochenstunden vertraglich verankert sein muss. Und diese muss Ihr Arbeitgeber Ihnen auch zahlen, selbst wenn er Sie nur für fünf Stunden braucht. Ebenso gilt: Ein Einsatz muss vier Tage vorher bekannt sein und darf einen Zeitaufwand von drei Stunden nicht unterschreiten. Flexible Arbeitszeiten machen also eine genaue Kalkulation des Einkommens und auch der zur Verfügung stehenden Freizeit schwierig.

Zum Schluss sei darauf hingewiesen, dass alle vorgestellten Modelle sowohl in der Elternzeit, als auch in Altersteilzeit oder auf unbefristete Zeit gangbar und für „einfache“ Angestellte ebenso geeignet sind wie für Mitarbeiter in Führungspositionen.

Und so beantragen Sie Teilzeit

Haben Sie sich dazu entschlossen Ihre wöchentliche Stundenzahl zu reduzieren, müssen Sie das bei Ihrem Arbeitgeber bis spätestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn der Teilzeitarbeit beantragt haben (bei Teilzeitarbeit während der Elternzeit reicht eine Frist von sieben Wochen). Ein Recht darauf ist ihnen – unter gewissen Voraussetzungen – gesetzlich zugesichert. Der Antrag muss nicht, sollte aber schriftlich, entweder als Brief oder E-Mail, eingereicht werden. So können Sie Missverständnissen gleich von vornherein vorbeugen. Außerdem schadet es nie, wichtige berufliche Entscheidungen schriftlich dokumentiert zu haben. Einen Grund für Ihren Wunsch können Sie angeben müssen es aber nicht.

Was jedoch in Ihrem Schreiben vermerkt sein sollte: um wie viele Stunden Sie Ihr Arbeitspensum verringern möchten und wie Sie sich die Aufteilung der verbleibenden Stunden vorstellen. Letztendlich müssen Sie sich diesbezüglich mit Ihrem Arbeitgeber einigen. Hier gibt es keine Rechtsgrundlage das alle Ihre Wünsche auch erfüllt werden können – zeigen Sie sich also auch kompromissbereit. Und vergessen Sie nicht, die Gesprächsergebnisse in einem angepassten Arbeitsvertrag oder einer Ergänzung zum bereits bestehenden festzuhalten. Haben Sie bis einen Monat vor Beginn Ihrer Teilzeit noch keine Rückmeldung vom Betrieb bekommen tritt die Stundenreduzierung automatisch in Kraft.

Aber Achtung: Sie können Ihre Stunden nur alle zwei Jahre verringern und haben umgekehrt aktuell keinerlei Anspruch darauf die Arbeitszeit wieder aufzustocken – es sei denn, Sie haben vertraglich mit Ihrem Chef eine befristete Teilzeit abgemacht.