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Arbeitszeitverkürzung vor der Rente: Was gilt es bei Altersteilzeit zu beachten?

Theresa Müller am 03.03.2020
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Arbeitszeitverkürzung vor der Rente: Was gilt es bei Altersteilzeit zu beachten?
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Inhalt:
  1. Rente: Was ist das?
  2. Renteneinstieg: Welche Ausnahmen gibt es?
  3. Altersteilzeit: Was ist das?
    1. Welche Vorteile hat Altersteilzeit?
    2. Unter welchen Voraussetzungen ist Altersteilzeit möglich?
  4. Wie kann die Arbeitszeit bei Altersteilzeit eingeteilt werden?
    1. Gleichverteilungsmodell
    2. Blockmodell
  5. Altersteilzeit: Wie wirkt sie sich auf die Rente aus?
  6. Was spricht gegen die Altersteilzeit?
  7. Altersteilzeit: Sinnvoll oder nicht?

Viele Arbeitnehmer träumen von der Rente: endlich Zeit für Familie und Hobbys. Endlich Zeit, das Leben so richtig zu genießen. Doch wer die letzten Jahrzehnte durchgängig in Vollzeit gearbeitet hat, droht bei Eintritt in die Rente in ein Loch zu fallen. Von 100 auf 0 von einen Tag auf den anderen – das ist eine krasse Umstellung für Körper und Seele. Hinzu kommt, dass das Gehalt auf einmal wegfällt und man eine geringere Rente bezieht. Die neu gewonnene Freiheit kann sich dann schnell wie große Leere und Perspektivlosigkeit anfühlen. Besser ist es, sich schrittweise aus dem Berufsleben zu verabschieden. Eine Möglichkeit ist Altersteilzeit. Aber was ist das eigentlich und was muss dabei beachtet werden? Wir klären auf.

Rente: Was ist das?

In Deutschland zahlt jeder Arbeitnehmer in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Das macht es möglich, dass man im Alter Geld erhält, auch wenn man nicht mehr arbeitet – die Rente. Wie hoch die Rente ausfällt, hängt unter anderem davon ab, wie viel man zuvor verdient hat.

Auch das Renteneintrittsalter ist unterschiedlich, es ändert sich je nach Geburtsjahrgang. Denn die höhere Lebenserwartung der Bevölkerung und die gleichzeitig rückläufige Geburtenrate sorgen dafür, dass es mehr ältere Menschen gibt, die die Rente beanspruchen, als junge, die in die Rentenkasse einzahlen. Damit die Beiträge nicht immens hoch werden, wurde das Renteneinstiegsalter erhöht. Seit 2012 steigt die Altersgrenze für den Renteneinstieg stufenweise von 65 auf 67 Jahren. Weitere Erhöhungen, zum Beispiel auf 69 Jahren, sind bereits im Gespräch.

Der stufenweise Anstieg des Renteneinstiegsalters lässt sich an folgendem Beispiel erkennen:

  • Ein Arbeitnehmer, der 1953 geboren wurde, durfte nach 65 Jahren und 7 Monaten in Rente gehen. Also zwischen August 2018 und Juli 2019 – je nachdem, in welchem Monat er geboren wurde.
  • Ein Arbeitnehmer, der 1964 geboren wurde, kann nach 67 Jahren in Rente gehen. Also zwischen Januar und Dezember 2031.

Renteneinstieg: Welche Ausnahmen gibt es?

Das gesetzlich festgelegte Renteneintrittsalter muss nicht unter allen Umständen eingehalten werden. So ist es auch möglich, eher in Rente zu gehen. Allerdings müssen dann Abschläge in Kauf genommen werden. Weitere Ausnahmeregelungen gibt es für besonders langjährige Versicherte, schwerbehinderte Menschen und für langjährlich unter Tage beschäftigte Bergleute.

Altersteilzeit: Was ist das?

Die Altersteilzeit ist ein Modell, das eine Verkürzung der Arbeitszeit vor der Rente ermöglicht. Der Arbeitnehmer arbeitet also die letzten Jahre im Beruf nicht mehr in Vollzeit, sondern in Teilzeit. Die Arbeitszeit wird halbiert und das Gehalt dementsprechend gekürzt.

Weniger Gehalt klingt erstmal negativ, doch das ist es bei der Altersteilzeit nicht. Denn damit keine zu großen finanziellen Nachteile für den Arbeitnehmer entstehen, wird das halbierte Gehalt vom Arbeitgeber aufgestockt. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Mindestaufstockung von 20 Prozent. Es ist aber sogar möglich, dass der Arbeitnehmer um die 85 Prozent des Vollzeitgehalts erhält. Das ist in einigen Tarifverträgen so geregelt. Damit dies eintritt, ist es natürlich Voraussetzung, dass das Unternehmen an diesen Tarifvertrag gebunden ist.

Welche Vorteile hat Altersteilzeit?

Die Altersteilzeit bringt einige Vorteile mit sich – sowohl für den Arbeitnehmer, als auch für den Arbeitgeber.

  • Arbeitnehmern wird ein gleitender Übergang in die Rente ermöglicht. Der sonst so abrupte Umstieg vom Berufsleben in den Ruhestand – finanziell und psychisch – wird so abgeschwächt.
  • Arbeitgeber können die Arbeitsplätze neu besetzen, also Arbeitslosigkeit verringern, und profitieren noch von den Kenntnissen der Arbeitnehmer – zum Beispiel in der Einarbeitungsphase der neuer Mitarbeiter.

Unter welchen Voraussetzungen ist Altersteilzeit möglich?

Arbeitnehmer müssen einige Voraussetzungen erfüllen, damit eine Altersteilzeit möglich wird:

  • Sie dürfen nicht älter als 55 Jahre sein.
  • Sie müssen noch mindestens drei Jahre Zeit haben, bis sie das gesetzliche Renteneintrittsalter erreichen.
  • Sie müssen innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens 1080 Kalendertage sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein.

Einen Rechtsanspruch gibt es allerdings auf Altersteilzeit nicht. Das bedeutet, dass Arbeitgeber selbst entscheiden dürfen, ob sie ihren Mitarbeitern Altersteilzeit gewähren oder nicht. In einigen Unternehmen ist dies aber bereits durch Tarifverträge oder in Betriebsvereinbarungen geregelt.

In der Regel gewähren Unternehmen nur den Mitarbeitern Altersteilzeit, die bereits lange in der Firma tätig sind. Wenn man sich nicht sicher ist, ob man infrage kommt, dann kann man sich an den Betriebsrat oder die Personalabteilung wenden.

Wie kann die Arbeitszeit bei Altersteilzeit eingeteilt werden?

Es gibt zwei gängige Modelle, wie die Arbeitszeit bei Altersteilzeit eingeteilt werden kann.

Gleichverteilungsmodell

Die Arbeitszeit reduziert sich um die Hälfte und verteilt sich auf die gesamte Dauer der Altersteilzeit. Wie genau, das entscheiden Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel die Kürzung auf eine Halbtagesstelle, also nur vier statt acht Arbeitsstunden pro Tag.

Blockmodell

Bei diesem Modell gibt es eine gleichgroße Arbeits- und eine Freistellungsphase. Der Arbeitnehmer, der die Altersteilzeit beansprucht, arbeitet während der zuerst kommenden Arbeitsphase in Vollzeit, erhält aber bereits das geringere Gehalt. Vorteile genießt er dann in der zweiten Phase, der Freistellungsphase. Denn in dieser Zeit muss er nicht arbeiten, erhält aber das gleiche Gehalt wie in der Arbeitsphase.

Viele entscheiden sich für das Blockmodell. Denn so können die Arbeitnehmer früher in Rente gehen und genießen übergangsweise noch ihr halbes Gehalt plus die Aufstockung, was höher ausfällt als die spätere Rente.

Altersteilzeit: Wie wirkt sie sich auf die Rente aus?

Da man durch die Altersteilzeit einige Jahre weniger Gehalt als vorher erhält, wirkt sich das natürlich auf die Höhe der späteren Rente aus. Arbeitnehmer, die die letzten Jahre vor der Rente in Altersteilzeit gearbeitet haben, müssen Einbußen bei der Rente hinnehmen. Damit diese nicht allzu groß sind, zahlt der Arbeitgeber nicht nur die Gehaltsaufstockung, sondern auch zusätzliche Rentenversicherungsbeiträge.

Was spricht gegen die Altersteilzeit?

Die Altersteilzeit bietet viele Vorteile für Arbeitnehmer. Allerdings gibt es auch Nachteile – neben dem geringeren Gehalt und der dadurch später geringeren Rente. Gegen eine Altersteilzeit spricht außerdem:

  • Weniger Krankengeld, denn dieses wird nach Grundlage des Entgelts berechnet, das in der halben Stelle erzielt wird. Der Aufstockungsbetrag spielt keine Rolle.
  • Arbeitnehmer müssen damit rechnen, dass Sonderleistungen wie zum Beispiel ein Dienstwagen oder Weihnachts- und Urlaubsgeld wegfallen.
  • Beim Blockmodell ist der Übergang von der Arbeitsphase in die Freistellungsphase für die Psyche ebenso hart wie von dem Berufsleben in den Ruhestand. Der eigentliche Vorteil der Altersteilzeit, der sachte Übergang vom Arbeitsleben in das Rentnerdasein, ist nicht mehr vorhanden. Sie ist eher ein vorgezogener Ruhestand.
  • Die Arbeitnehmer riskieren finanzielle Nachteile, zum Beispiel, weil der Arbeitgeber während ihrer Freistellungsphase insolvent wird.
  • Für den Arbeitgeber bedeutet Altersteilzeit eines Mitarbeiters immer ein organisatorischer Mehraufwand, vor allem das Gleichverteilungsmodell.

Altersteilzeit: Sinnvoll oder nicht?

Ob eine Altersteilzeit sinnvoll ist oder nicht, muss jeder selber entscheiden. Dies ist von mehreren Faktoren, zum Beispiel finanzielle Situation, Arbeitgeber und Gesundheitszustand abhängig.

Wer überlegt, in Altersteilzeit zu gehen, sollte sich im Vorfeld immer genug Zeit nehmen, um Vor- und Nachteile abzuwägen. Selbstverständlich muss früh das Gespräch mit dem Arbeitgeber gesucht werden. Bei der Entscheidung hilft darüber hinaus auch die Rentenversicherung. Sie berät und kann einschätzen, ob sich die Altersteilzeit für einen lohnt oder nicht.