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Arbeitszimmer und Homeoffice von der Steuer absetzen

Anastasia Johlen am 07.04.2022
ca. 1192 Worte
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Arbeitszimmer und Homeoffice von der Steuer absetzen
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Inhalt:
  1. Was gilt als häusliches Arbeitszimmer?
    1. Voraussetzungen an das Arbeitszimmer
    2. Ist das Arbeitszimmer in die häusliche Sphäre eingebunden?
    3. Einrichtung als Arbeitsraum: Kaum private Gegenstände
  2. Wann können Sie Kosten für ein Arbeitszimmer absetzen?
    1. Begrenzter Kostenabzug bis 1.250 Euro
  3. Seit 2020: Homeoffice-Pauschale
  4. Welche Kosten können Sie steuerlich geltend machen?
  5. Ist das Arbeitszimmer der Schwerpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit?
  6. Arbeitszimmer wird von mehreren Personen genutzt: Und jetzt?
  7. Lagerraum, Werkstatt und Ausstellungsraum: Noch ein Arbeitszimmer?
    1. Arbeitszimmer versus häusliche Betriebsstätte

Ob Lehrer, Gutachter oder Angestellter: Viele Menschen arbeiten vom heimischen Schreibtisch in den eigenen vier Wänden. Wer vollständig oder teilweise von Zuhause arbeitet, kann die Kosten für das Arbeitszimmer unter bestimmten Voraussetzungen von der Steuer absetzen. Insbesondere durch den Trend in Richtung Homeoffice können Sie bei der Steuererklärung einiges an Geld zurückbekommen. Wer, wann und wie sein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen kann, lesen Sie in diesem Artikel.

Was gilt als häusliches Arbeitszimmer?

Bei dem häuslichen Arbeitszimmer handelt es sich um einen Raum, der vorwiegend zur Erledigung büromäßiger Arbeiten genutzt wird. Dieser Arbeitsraum ist nach Funktion und Ausstattung auf die betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausgerichtet und befindet sich im Haus des Arbeitnehmers. Häusliche Telearbeitsplätze gelten ebenfalls als Arbeitszimmer.

Voraussetzungen an das Arbeitszimmer

Damit ersichtlich ist, dass das Arbeitszimmer überwiegend oder ausschließlich beruflich genutzt wird, sollte der Arbeitsraum durch eine Tür von den Privaträumen getrennt sein. Das Arbeitszimmer darf auch kein Durchgangszimmer sein, welches häufig durchquert werden muss, um private Räumlichkeiten zu erreichen.

Die Einrichtung darf auch nur aus Möbeln und Utensilien zur Bewältigung der Arbeit beinhalten, ein Gästebett hat in einem Arbeitszimmer, deshalb nichts zu suchen. Nutzen Sie zum Beispiel einen Raum im Keller oder Dachgeschoss beruflich, erfüllen Sie in der Regel alle Anforderungen. Eine abgetrennte Nische im Hausflur allerdings nicht.

Ist das Arbeitszimmer in die häusliche Sphäre eingebunden?

Als häuslich gilt ein Arbeitszimmer, wenn es in das private Wohnumfeld integriert ist. Die private Nutzung für diesen Raum soll dabei so gut, wie ausgeschlossen sein. Folgende Voraussetzungen müssen für das Absetzen Ihres Arbeitszimmers erfüllt sein:

  • Arbeitszimmer ist wie ein Arbeitsraum eingerichtet.
  • Es wird fast ausschließlich beruflich genutzt.
  • Das Arbeitszimmer ist von den privaten Wohnräumen abgetrennt.
  • Die Wohnung ist für den Wohnbedarf ausreichend groß.

Nur, wenn Sie diese Bedingungen erfüllen, haben Sie Chancen, dass Ihr Arbeitszimmer als Werbungskostenabzug durchkommt.

Einrichtung als Arbeitsraum: Kaum private Gegenstände

Damit es eindeutig ist, dass Sie das Arbeitszimmer ausschließlich oder überwiegend zur Ausübung Ihrer beruflichen Tätigkeiten nutzen, sollten die privaten Gegenstände in diesem Raum auf ein Minimum reduziert sein. In ein Arbeitszimmer gehören möglichst nur, Schreibt, Schreibtischstuhl, Bücherschrank und andere Büromöbel.

Halten Sie sich zur Orientierung an die 10%-Grenze: In dem Arbeitszimmer sollten sich nicht mehr als 10 % privater Gegenstände befinden, ansonsten kann das Finanzamt Ihre Auffassung als Arbeitszimmer anzweifeln.

Diese Ausstattung und Utensilien sind im Arbeitszimmer in Ordnung:

  • Gardinen, Lampen, Teppich und Bilder
  • Kunstgegenstände
  • Blumen und Vasen
  • Klappbett, Sessel und Liege, insofern Sie diese zum Lesen von Fachliteratur oder für Ruhepausen nutzen.
  • Sitzecke mit Sesseln für den Empfang von Besuchern
  • Radio
  • Was sollten Sie nicht in Ihrem Arbeitszimmer haben?
  • Kinderbett
  • einziger Fernseher in der gesamten Wohnung
  • Fotoalben und private Bücher
  • Bügelbrett
  • Kühlschrank
  • einziger Kleiderschrank
  • einziges Telefon
  • häufig genutztes Gästebett

Wann können Sie Kosten für ein Arbeitszimmer absetzen?

Grundsätzlich gilt, dass die Aufwendungen, die durch das Arbeiten von Zuhause entstehen, dem Abzugsverbot unterliegen. So können Sie die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer oft nur unter bestimmten Voraussetzungen und oft nicht häufig nicht in vollem Umfang als Werbungskosten abziehen. Bei einem angemieteten Arbeitszimmer außerhalb der eigenen vier Wände sieht das übrigens ganz anders aus.

Jedoch gibt es zwei Ausnahmen:

  1. Haben Sie für Ihre berufliche oder betriebliche Tätigkeit keinen anderen Arbeitsplatz, können Sie Kosten bis zu 1.250 Euro pro Jahr geltend machen.
  2. Ist das Arbeitszimmer Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit, gelten die Kosten unbeschränkt abzugsfähig.

Geben Sie Ihr Arbeitszimmer als Betriebsausgaben oder Werbungskosten bei der Steuererklärung an, können Sie dadurch Ihr zu versteuerndes Einkommen senken.

Begrenzter Kostenabzug bis 1.250 Euro

Es gibt Berufsgruppen, für die es keinen anderen Arbeitsplatz als den in den eigenen vier Wänden gibt. Lehrer zum Beispiel haben keinen extra Arbeitsplatz in der Schule, weshalb viele berufliche Aufgaben von Zuhause erledigt werden. Haben Sie eigentlich einen Arbeitsplatz im Betrieb und mit Ihrem Arbeitgeber vereinbar, einige Tage im Homeoffice zu arbeiten, können Sie keine Kosten für das Arbeitszimmer absetzen.

Seit 2020: Homeoffice-Pauschale

Seit 2020 gibt es die sogenannte Homeoffice-Pauschale, eine Art Trostpflaster für alle Arbeitnehmer, die kein steuerlich anerkanntes Arbeitszimmer haben. Sollen Sie also keine Chance haben, die Ausgaben für die Arbeit im Homeoffice abzusetzen, können Sie die Homeoffice-Pauschale nutzen.

Für Ihren heimischen Arbeitsplatz gibt es keine Anforderungen und je Arbeitstag im Homeoffice bekommen Sie 5 Euro. Insgesamt können Sie so maximal 600 Euro im Jahr erhalten. Es sind keinerlei Nachweise notwendig, anders als beim Absetzen des Arbeitszimmers.

Welche Kosten können Sie steuerlich geltend machen?

Erfüllt Ihr Arbeitszimmer alle Voraussetzungen, damit Sie es von der Steuer absetzen können, stellt sich die Frag, was genau geltend gemacht werden kann:

  • Energiekosten
  • Reparaturen
  • Versicherungsbeiträge
  • Miete
  • Darlehenszinsen
  • Grundsteuer
  • Renovierungskosten
  • Heizungswartung

Ist das Arbeitszimmer der Schwerpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit?

Manchmal ist es gar nicht so einfach zu beantworten, ob das häusliche Arbeitszimmer der Schwerpunkt zur Ausübung der beruflichen Tätigkeit ist. Sind Sie ausschließlich von Zuhause in Ihrem Job tätig, ist das Arbeitszimmer definitiv der Mittelpunkt Ihrer gesamten Arbeit.
Die Kosten sind also in voller Höhe und unbegrenzt abzugsfähig. Das gilt für folgende Berufsgruppen:

  • Heimarbeitnehmer, die nur eine Erwerbstätigkeit von zu Hause ausüben.
  • Freiberufler und Gewerbetreibende, die Ihre Tätigkeiten ausschließlich von Zuhause ausüben, etwa Redakteure, Schriftsteller, Steuerberater

Arbeiten Sie nicht nur von Zuhause, sondern auch außerhalb, etwa im Betrieb, prüft das Finanzamt ganz genau, wo sich der Mittelpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit befindet.
Bei Außendienstmitarbeitern liegt der Mittelpunkt beziehungsweise Schwerpunkt dort, wo Sie Leistungen erbringen und Handlungen vornehmen, die für Ihren Beruf wesentlich sind.

Arbeitszimmer wird von mehreren Personen genutzt: Und jetzt?

Wird das Arbeitszimmer von mehreren Personen als beruflicher oder betrieblicher Arbeitsort genutzt, kann jede Person die eigenen Aufwendungen absetzen. Der Höchstsatz von 1.250 Euro gilt für jede Person getrennt und ist für ein Arbeitszimmer mehrfach möglich.
Teilen Sie sich also das Arbeitszimmer mit einem/r Mitbewohner/in oder Partner/in, können Sie beide das Arbeitszimmer steuerlich absetzen.

Lagerraum, Werkstatt und Ausstellungsraum: Noch ein Arbeitszimmer?

Ein Zimmer, in dem Sie ausschließlich Produkte präsentieren und lagern ist nicht automatisch Arbeitszimmer, sondern eher ein Ausstellungsraum. Genauso können Sie einen Raum für berufliche Werkarbeiten nicht einfach als Arbeitszimmer deklarieren, wenn es sich gut erkennbar, um eine Werkstatt handelt.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann aber auch ein Lagerraum vom Finanzamt als Arbeitszimmer anerkannt werden:

  • Betrieb bzw. berufliche Tätigkeit wird durch Lagerhaltung geprägt
  • Bürotätigkeiten sind bei Ihrem Beruf nebensächlich
  • Sie sind auf die Lagerflächen zur Ausübung Ihres Berufs angewiesen.
  • Entscheidend ist der Gesamteindruck der Raumausstattung

Arbeitszimmer versus häusliche Betriebsstätte

Als Betriebsstätte gilt laut Gesetz „jede feste Geschäftseinrichtung oder Anlage, die der Tätigkeit eines Unternehmens dient“. Zu den Betriebsstätten eines Unternehmens oder Freiberuflers gehören

  • die Stätte der Geschäftsleitung
  • Werkstätte und Warenlager
  • Ein- oder Verkaufsstellen
  • Zweigniederlassungen und Geschäftsstellen
  • Die Abgrenzung eines oder mehrerer Räume von der häuslichen Sphäre ist nicht ganz so eindeutig, wenn
  • Es einen separaten Eingang gibt
  • Regelmäßiger Publikumsverkehr stattfindet
  • Mitarbeiter beschäftigt werden
  • Wartebereich oder Besucher-Toiletten

Konzentriert sich Ihr gesamter Geschäftsbetrieb in einer solchen Räumlichkeit innerhalb der häuslichen Sphäre, spricht man von einer häuslichen Betriebstätte. Dann greifen die Abzugsbeschränkungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht. Typische häusliche Betriebsstätten sind zum Beispiel die Praxisräume von Ärzten und Kanzleien von Rechtsanwälten oder Steuerberatern mit Angestellten und Publikumsverkehr.

Möchten Sie also Ihr Arbeitszimmer von der Steuer absetzen, sollten Sie die folgenden Voraussetzungen und Bedingungen beachten. Durch die Homeoffice-Pauschale besteht auch die Möglichkeit ohne jegliche Nachweise bis zu 600 Euro für ein Kalenderjahr zu erhalten.