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Das Kind ist krank: Was müssen Arbeitnehmer beachten?

Lillia Seifert am 08.10.2020
ca. 937 Worte
ungefähre Lesezeit 3 Minuten 24 Sekunden
Inhalt:
  1. Kind krank: Das müssen Sie als Arbeitnehmer als erstes tun
  2. Dürfen Arbeitnehmer mit krankem Kind einfach zu Hause bleiben?
  3. Freistellung: Wie lange dürfen Sie zu Hause bleiben?
  4. Gibt es eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall des Kindes?
  5. Kinderkrankengeld: Anspruch auf finanzielle Unterstützung
  6. Können Privatversicherte auch Kinderkrankengeld beziehen?
  7. Freistellung bei erkranktem Kind: Gibt es eine Altersgrenze?
  8. Kind krank: Ist eine Kündigung in der Probezeit möglich?
  9. Kommunikation mit dem Arbeitgeber während der Freistellung

Mütter und Väter, insbesondere von jüngeren Kindern, können ein Lied davon singen: Der Nachwuchs hat sich wieder einmal in der Kita angesteckt. Fieber und eine triefende Nase - unmöglich, das Kind in den Kindergarten zu bringen. Eine Situation, die viele berufstätige Eltern kennen und die nicht selten für sie unangenehm ist. Die ohnehin oftmals nicht einfache Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellt dann noch einmal eine besondere Herausforderung dar. Die Großeltern wohnen nicht in der Nähe, andere Betreuungspersonen gibt es nicht. Zur Arbeit kann man das kranke Kind nicht mitnehmen. Was tun, wenn der Nachwuchs während der Arbeitszeit Betreuung braucht?

Kind krank: Das müssen Sie als Arbeitnehmer als erstes tun

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, sofort und unverzüglich dem Arbeitgeber mitzuteilen, dass er und wie lange er ausfällt. Auf Verlangen muss der Beschäftigte auch eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Geschieht dieses nicht, hat der Arbeitgeber das Recht, Mitarbeiter abzumahnen, wenn diese gegen die Anzeige- und Nachweispflicht verstoßen. Bei mehrfacher Wiederholung darf der Arbeitgeber eine verhaltensbedingte Kündigung aussprechen.

Dürfen Arbeitnehmer mit krankem Kind einfach zu Hause bleiben?

Mütter oder Väter mit krankem Kind ist es laut Bürgerlichem Gesetzbuch, Paragraf 16, erlaubt, ihren Nachwuchs zu betreuen und zu pflegen. Das ist erst einmal unstrittig. Jedoch gibt es wie so oft, einiges zu beachten, damit das Fernbleiben von der Arbeit keine bösen Überraschungen, wie zum Beispiel eine Abmahnung, nach sich zieht.

Freistellung: Wie lange dürfen Sie zu Hause bleiben?

Arbeitnehmer dürfen wegen „vorübergehender Arbeitsverhinderung“ (§ 16 BGB) nur eine „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ zu Hause bleiben. Der Gesetzgeber erlaubt jeweils an zehn Tagen pro Jahr und Kind von der Arbeit fernzubleiben, bei Alleinerziehenden sind es 20 Tage. Bei zwei Kindern erhöht sich die Zahl freier Tage auf jeweils 20 Tage bei Eltern und 40 Tage bei Alleinerziehenden. Wie so oft gibt es auch Ausnahmen: So hat das Bundesarbeitsgericht zum Beispiel eine Entscheidung getroffen, die eine maximale Freistellung von nur fünf Tagen vorsieht. (Urteil vom 05.08.2014, 9 AZR 878/12)

Gibt es eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall des Kindes?

Wenn Ihr Kind krank ist, haben Sie nicht automatisch das Recht auf Lohnfortzahlung, sondern nur das Recht zu Hause zu bleiben.

Die Rechtslage für berufstätige Eltern mit krankem Kind ist kompliziert. Ob die Freistellung vom Job vergütet und der Lohn fortgezahlt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Fest steht laut Paragraf 616 BGB, „dass ein Arbeitnehmer bei einer persönlichen Arbeitsverhinderung Anspruch auf bezahlte Freistellung hat, wenn er unverschuldet für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund an der Arbeitsleistung verhindert ist.“ Das heißt also, der Arbeitnehmer darf mit einer Lohnfortzahlung rechnen, einen gesetzlichen Anspruch gibt es allerdings nicht.

In vielen Arbeitsverträgen gibt es Sonderregelungen zur Freistellung und zur Fortzahlung der Vergütung bei erkrankten Kindern. Manche vertraglichen Regelungen schließen diese jedoch von vornherein aus.   

Kinderkrankengeld: Anspruch auf finanzielle Unterstützung

Zahlt der Arbeitgeber kein Gehalt während der Kinderbetreuung, haben Sie als gesetzlich Krankenversicherter die Möglichkeit, sich über das sogenannte Kinderkrankengeld finanziell abzusichern. Die Beantragung erfolgt bei der Krankenkasse. Es beträgt 70 Prozent des Bruttoverdienstes, maximal 90 Prozent des Nettoverdienstes. Sind die Eltern in verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen versichert, zahlt die Versicherung der Betreuungsperson das Krankengeld.

Wichtig ist, kein Arbeitnehmer hat Anspruch auf beide Möglichkeiten: Entweder bekommt er Lohnfortzahlung (§ 616 BGB) oder Kinderkrankengeld.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um Kinderkrankengeld zu bekommen:

  • Das Kind ist jünger als zwölf Jahre.
  • Ein Arzt hat die Krankheit bescheinigt.
  • Die Betreuung des Kindes ist notwendig.
  • Das Kind ist gesetzlich krankenversichert.
  • Außer den Eltern gibt es keine andere Betreuungsperson.

Können Privatversicherte auch Kinderkrankengeld beziehen?

Im Unterschied zu gesetzlichen Krankenkassen zahlen private Krankenkassen kein Kinderkrankengeld. Privat Versicherte haben zwar auch die Möglichkeit, ihre kranken Kinder zu betreuen, sie bekommen jedoch keine finanzielle Unterstützung, wenn der Arbeitgeber nicht zahlt. Gesetzt den Fall, ein Elternteil ist privat und der andere gesetzlich versichert, kommt es darauf an, bei wem das Kind versichert ist.

Freistellung bei erkranktem Kind: Gibt es eine Altersgrenze?

Die Antwort ist eindeutig: Ja. Das Gesetz geht nämlich davon aus, dass Kinder ab zwölf Jahren in der Regel in der Lage sind, auf sich allein aufzupassen. Wenn Sie selbst Kinder haben, werden Sie wissen, dass diese Einschätzung nicht unbedingt der Realität entspricht.

Nicht zu empfehlen ist es, einfach zu Hause zu bleiben. Ein Gespräch mit dem Arbeitgeber ist sinnvoll, um eine Lösung zu finden. Im besten Fall erhalten Sie Ihre Vergütung für die Zeit der Betreuung weiter, wenn dieses nicht im Arbeitsvertrag ausgeschlossen ist. Alternativ können Sie für diese Zeit Urlaub beantragen. Ist dieser bereits aufgebraucht, dann stehen auch professionelle Notbetreuungsstellen zur Verfügung, die es in vielen Städten gibt.       

Kind krank: Ist eine Kündigung in der Probezeit möglich?

Ein Mitarbeiter, der nicht von der Arbeit freigestellt wird, obwohl er ein krankes Kind betreuen muss, kann ohne Zustimmung des Vorgesetzten zu Hause bleiben. Würde ihm gekündigt, wäre das unzulässig und damit nichtig, weil hier gegen das sogenannte Maßregelungsverbot verstoßen wurde. Es gibt jedoch Fälle, wo eine Kündigung während der Krankheit eines Kindes auch rechtens sein kann.

Kommunikation mit dem Arbeitgeber während der Freistellung

Für Beschäftigte, die plötzlich während der Krankheit ihres Kindes zu Hause bleiben müssen, ist die Situation nicht einfach. Neben der Sorge um den Nachwuchs, belastet auch die unerledigte Arbeit im Büro, die bestenfalls von den Kollegen übernommen wird. Eine offene Kommunikation mit dem Vorgesetzten und den Kollegen kann hilfreich sein. In den meisten Fällen kann man mit Verständnis rechnen. Wenn es möglich ist, können Sie auch anbieten, einen Teil der Arbeit im Homeoffice zu erledigen. Das macht einen guten Eindruck und zeigt außerdem Ihren guten Willen.   

Wie Sie sehen, als Elternteil haben Sie Anspruch auf eine Betreuung Ihres erkrankten Kindes, allerdings ist die Rechtslage hinsichtlich der Lohnfortzahlung nicht einheitlich.