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Die wichtigsten Gesetze und Regelungen zur Teilzeitarbeit

Jana Fast am 15.12.2016
ca. 844 Worte
ungefähre Lesezeit 3 Minuten 4 Sekunden
Die wichtigsten Gesetze und Regelungen zur Teilzeitarbeit
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Inhalt:
  1. Arbeitnehmer in Teilzeit dürfen nicht diskriminiert werden 
  2. Teilzeitarbeit wird gefördert
  3. Die Arbeitszeit 
  4. Teilzeitarbeit: Beschäftigung auf Abruf?
  5. Schulungen und Fortbildungen für Teilzeitkräfte 
  6. Kündigung aufgrund von Teilzeitarbeit?

Der Anteil der Beschäftigten in Teilzeit nimmt immer weiter zu. Dies kann diverse Gründe haben. Die Selbstverwirklichung oder dem Nachkommen familiärer Pflichten stellen dabei meist die Hauptmotive dar. Arbeitnehmer in Teilzeit haben grundsätzlich die gleichen Rechte wie Vollzeitbeschäftigte auch. Es ist wichtig, dass jeder Angestellte seine Rechte kennt! Im Teilzeit- und Befristungsgesetz aus dem Jahre 2001 sind diese festgehalten. Die wichtigsten Gesetze und Regelungen für Arbeitnehmer in Teilzeitarbeit haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst!

Arbeitnehmer in Teilzeit dürfen nicht diskriminiert werden 

Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) untersagt die Diskriminierung von Teilzeitbeschäftigten aufgrund von Teilzeitarbeit. Diese Arbeitnehmer dürfen im Vergleich zu Beschäftigten in Vollzeit nicht anderes oder schlechter behandelt werden. Dies schlägt sich auch auf das Gehalt nieder. Denn: Laut §4 des TzBfG stehen einem Arbeitnehmer in Teilzeit Leistungen in dem Anteil der Arbeitszeit zu, die auch ein vergleichbarer Mitarbeiter in Vollzeit erhält. 

Teilzeitarbeit wird gefördert

Das Bedürfnis nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance sorgt bei Arbeitnehmern immer wieder  für den Wunsch, die regelma?ßigen Wochenarbeitsstunden zu reduzieren. Doch auch andere Gründe spielen eine Rolle: Das Verlangen, mehr Zeit mit den eigenen Kindern und der Familie zu verbringen, die Pflege eines Angehörigen, oder gesundheitliche Probleme und vieles mehr sorgen dafür, dass immer mehr Arbeitnehmer den Wunsch nach einer Teilzeitstelle in die Tat umsetzen. Die gute Nachricht: Der Staat möchte auch, dass Teilzeitarbeit gefördert wird und hat zu diesem Zweck den §6 des TzBfG erlassen. Dieser besagt, dass Unternehmen Arbeitnehmern Teilzeitarbeit nach Maßgabe des Gesetztes ermöglichen sollten. Dies gilt übrigens auch für Angestellte in leidenden Positionen!

Die Arbeitszeit 

Teilzeitarbeit bedeutet nicht automatisch, dass man nur noch 50% der Wochenstunden eines Vollzeitbeschäftigten ausführt. Das Gute daran ist nämlich, dass ein Arbeitnehmer die Anzahl seiner Wochenstunden gemeinsam mit dem Arbeitgeber selbst bestimmen kann. Dies ist aber erst möglich, wenn ein Angestellter mindestens 6 Monate beim Arbeitgeber in Vollzeit beschäftigt ist. Nach diesen 6 Monaten darf die Arbeitszeit, die im Arbeitsvertrag steht, auf Wunsch verringert werden. Der Antrag auf Verringerung der Arbeitszeit muss 3 Monate im Voraus gestellt werden, damit das Unternehmen genug Zeit hat, sich an diese Änderung anzupassen. Es können entweder fixe Arbeitszeiten vereinbart werden, oder regelma?ßig neue, flexible Arbeitspläne erstellt werden.

In einem gemeinsamen Gespräch zwischen dem Arbeitnehmer und einem Vorgesetzten müssen dann Entscheidungen getroffen werden. In welchem Umfang soll die Arbeitszeit verringert werden? Wie soll die Arbeitszeit verteilt werden? Das Unternehmen sollte den Wünschen des Arbeitnehmers entgegenkommen, sofern keine betrieblichen Gründe dagegen sprechen oder unverhältnismäßige Kosten dadurch entstehen. Der Arbeitgeber hat Zeit bis genau einen Monat vor Beginn der gewünschten Arbeitszeitverringerung, diese schriftlich abzulehnen. Tut er dies nicht, gilt die Verringerung der Arbeitszeit entsprechend den Wünschen des Arbeitnehmers als beschlossen. 

Wenn ein Arbeitnehmer wünscht, dass die Arbeitszeit erneut verringert wird, so kann er oder sie dies erst zwei Jahre nach der ersten Arbeitszeitenverringerung beantragen. Dies gilt auch, wenn der Arbeitgeber eine Verringerung abgelehnt hat. In diesem Fall muss der Angestellte zwei Jahre warten, bevor er oder sie es wieder versuchen kann. Übrigens: All diese Regelungen gelten für Unternehmen, die mindestens 15 Arbeitnehmer beschäftigen! 

Teilzeitarbeit: Beschäftigung auf Abruf?

Arbeitnehmer, die nicht in Vollzeit arbeiten, müssen nicht ständig bereit stehen und nur noch auf Abruf arbeiten. Hier müssen zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer individuelle Vereinbarungen getroffen werden. Das Gesetzt sieht Folgendes vor: Die Teilzeitkraft ist nur dann verpflichtet, auf Abruf zu arbeiten, wenn der Arbeitgeber die Arbeitszeit mindestens vier Tage im Voraus bekanntgibt. Der Arbeitnehmer ist nicht dazu verpflichtet, auf Arbeit zu erscheinen, wenn der Arbeitgeber am selben Tag mitteilt, dass man in wenigen Stunden im Büro auftauchen muss! Ist die Verteilung der Arbeitszeit nicht geregelt, so gilt Folgendes: Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 10 Stunden, die tägliche Arbeitszeit sollte mindestens drei aufeinanderfolgende Stunden betragen. 

Achtung: Die vorgestellten gesetzlichen Regelungen gelten nicht, wenn die Firma in der Sie tätig sind an einen Tarifvertrag gebunden ist. In diesem Fall sollten Sie sich unbedingt vorher im Tarifvertrag darüber informieren, wie die Arbeit auf Abruf geregelt wird. Hier kann es nämlich sein, dass die Regel, man müsse den Arbeitnehmer mindestens vier Tage im Voraus über die Arbeitszeit informieren, nicht mehr zutrifft. Wer hier die Arbeitsleistung verweigert, kann eine Abmahnung riskieren. Daher: Vorher den Tarifvertrag checken!

Schulungen und Fortbildungen für Teilzeitkräfte 

Damit Teilzeitbeschäftigte nicht den Anschluss verlieren, wettbewerbsfähig bleiben und auch sonst keine Nachteile aufgrund der verringerten Arbeitszeit davontragen, sollten diese genauso wie alle anderen Mitarbeiter auch, die Möglichkeit bekommen, an Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen zu können. Es liegt in der Pflicht des Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass die berufliche Weiterentwicklung auch bei Teilzeitkräften gewährleistet wird. Sollte also wieder eine Schulung außerhalb Ihrer Arbeitszeit geplant sein, können Sie Ihren Arbeitgeber auf den §10 des TzBfG aufmerksam machen und darum bitten, an solchen Maßnahmen in Zukunft teilnehmen zu können. 

Kündigung aufgrund von Teilzeitarbeit?

Es ist gesetzlich untersagt, einem Arbeitnehmer aufgrund des Wunsches, von einer Vollzeit- in eine Teilzeitbeschäftigung zu wechseln oder umgekehrt, zu kündigen. Dies ist kein Kündigungsgrund. Das Arbeitsverhältnis kann aufgrund eines Wechsels in Teilzeit nicht beendet werden.

Weitere Informationen zu Ihren Rechten als Arbeitnehmer in Teilzeit finden Sie hier:
Broschüre des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: Teilzeit – Alles was Recht ist