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Führungskraft trotz Teilzeitstelle: So bleiben Sie erfolgreich!

Christiane Peters am 27.10.2020
ca. 1520 Worte
ungefähre Lesezeit 5 Minuten 31 Sekunden
Führungskraft trotz Teilzeitstelle
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Inhalt:
  1. Eine Teilzeitbeschäftigung schafft mehr Freiräume  
  2. Teilzeit-Chefs sind die Ausnahme
  3. Führung in Teilzeit: Vor- und Nachteile
    1. Finanzielle Abwägungen
    2. Teilzeittätigkeit für eine begrenzte Zeit
    3. Bewältigung des Arbeitspensums
    4. Organisation ist das A und O
    5. Bedeutungsverlust wegen Abwesenheit
    6. Teilzeit als möglicher Karrierekiller
    7. Konfliktpotenzial durch geringe Präsenz
    8. Unternehmenskultur muss teilzeitfreundlich sein
  4. Vier Modelle für Teilzeit-Chefs
    1. 1. Jobsharing
      1. Vorteile eines Jobsharing:
      2. Nachteile eines Jobsharing
    2. 2. Ernennung eines Stellvertreters
    3. 3. Homeoffice
    4. 4. Projektbezogene Tätigkeit
      1. 5 Tipps für ein erfolgreiches Zusammenarbeiten
    5. Was bedeutet Teilzeit-Führung für das Unternehmen?

In Teilzeit führen – das ist auch heute immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Obwohl generell der Wunsch nach mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten und -modellen gewünscht wird, arbeiten die meisten Führungskräfte in Vollzeit. Sind Führung und Teilzeit tatsächlich unvereinbar? Nicht unbedingt. Gut vorbereitet, kann Teilzeitführung eine Win-win-Situation für Führungskraft und Unternehmen sein.

Eine Teilzeitbeschäftigung schafft mehr Freiräume  

Unsere Arbeitszeiten sind im Wandel. Arbeit wird von vielen nicht mehr so gesehen wie vor vielen Jahren. Der Wunsch, räumlich und zeitlich flexibel zu arbeiten, ist für viele Menschen wichtiger geworden. Insbesondere die jüngere Generation legt großen Wert auf Flexibilität, Karriere und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Eine Teilzeitbeschäftigung, die in der Regel für eine vorübergehende Phase des beruflichen Lebens gewählt wird, kommt diesem Anspruch entgegen.

Die Gründe sind vielfältig: Weniger arbeiten schafft mehr Zeit für die Familie oder für die Pflege von Angehörigen, mehr Zeit für sich selbst oder die berufliche Weiterbildung.  

Aktuell sind in Deutschland etwa 40 Prozent aller Beschäftigten in Teilzeit tätig. Hauptsächlich Frauen. Obwohl seit 2001 ein Recht auf Teilzeit gesetzlich verankert ist.

Teilzeit-Chefs sind die Ausnahme

Zwar gibt es auch Chefs, die darüber nachdenken, ihre verantwortungsvolle Tätigkeit mit reduzierter Stundenzahl wahrzunehmen. Die Zahl ist jedoch auf einem sehr niedrigen Niveau. Und es sind in erster Linie weibliche Führungskräfte, die kürzer arbeiten. Von einhundert Führungskräften arbeiten nur fünf in Teilzeit – vier Frauen und ein Mann.

Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass in vielen Unternehmen nur eine geringe Akzeptanz für Führung in Teilzeit festzustellen ist. Viele Personalverantwortliche sehen in der Praxis keine erfolgreiche Umsetzungsmöglichkeit.

Führung in Teilzeit: Vor- und Nachteile

Wenn Sie als Führungskraft mit dem Gedanken spielen, Ihre Arbeitszeit zu reduzieren, sollten Sie im Vorfeld klären, was das im besonderen Fall für Sie bedeutet. Führung in Teilzeit hat viele Vorteile, kann jedoch auch Nachteile mit sich bringen. Hier ein paar Tipps, die Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen.

Finanzielle Abwägungen

Bedenken Sie, dass Sie bei reduzierter Stundenzahl weniger verdienen. Ihr bisheriges Bruttoeinkommen wird entsprechend der Teilzeittätigkeit reduziert, das gilt in der Regel auch für Sonderzahlungen. Außerdem wirkt sich ein niedrigeres Gehalt auch auf die Altersvorsorge aus.

Positiv ist - unter Umständen können Sie auch bisherige finanzielle Ausgaben reduzieren. So entfallen zum Beispiel die Kosten für die Kinderbetreuung, die Haushaltshilfe und für die Fahrt ins Büro.

Teilzeittätigkeit für eine begrenzte Zeit

Entscheiden Sie sich für eine befristete Teilzeitbeschäftigung, so haben Sie die Option, später wieder in eine Vollzeittätigkeit zurückzukehren. Darauf haben Sie einen Anspruch. Seit 2019 gibt es das Gesetz auf befristete Teilzeit.  

Bewältigung des Arbeitspensums

Es ist eine berechtigte Überlegung, wenn Sie sich fragen, wie Sie mit der Bewältigung Ihrer Arbeitsaufgaben bei reduzierter Arbeitszeit umgehen. Und es ist auch klar, dass das zu erledigende Arbeitsvolumen der neuen Situation angepasst werden muss. Gelingt das nicht, so werden Sie keinen Vorteil von der reduzierten Arbeitszeit haben, sondern die Arbeitsverdichtung als extrem belastend wahrnehmen.

Sinnvoll ist es, einen Teil Ihrer bisherigen Fachaufgaben nach einer vorherigen Einweisung an andere Beschäftigte zu delegieren. Ihre Führungsaufgaben behalten Sie in der Hand.

Organisation ist das A und O

Auch wenn Sie weniger arbeiten, sind Sie als Führungskraft gefordert, Ihre Aufgaben noch besser zu organisieren und zu priorisieren.

Bedeutungsverlust wegen Abwesenheit

Wenn Sie nicht mehr dauerhaft im Büro präsent sind, muss das nicht mit weniger Akzeptanz einhergehen. Selbstverständlich kann es im Unternehmen Menschen geben, die mit Ihrer Entscheidung nicht einverstanden sind, weil sie vielleicht Mehrarbeit erwarten und Ihnen nicht mehr wohl gesonnen sind. Kommen Sie trotz verkürzter Arbeitszeit Ihren Verpflichtungen und Ihrer Verantwortung nach, müssen Sie nicht befürchten, an Ansehen zu verlieren.

Teilzeit als möglicher Karrierekiller

Dass die Zahl der Teilzeitführungskräfte in Deutschland immer noch auf einem niedrigen Niveau liegt, hat auch mit der verbreiteten Meinung zu tun, dass Teilzeit-Chefs keine Karriere machen können. Das muss jedoch nicht sein. Wenn Sie Kompetenzen und Erfahrungen mitbringen, die Sie gegenüber anderen auszeichnen, haben Sie gute Möglichkeiten, auch befördert zu werden. Wenn Ihre Vorgesetzten Ihr Engagement schätzen, werden Sie Ihnen ein Arbeitsmodell anbieten, das zu ihrer besonderen Situation passt.     

Konfliktpotenzial durch geringe Präsenz

Handelt Ihr Team vor Ort während Ihrer Abwesenheit in Ihrem Sinne, hält es Ihnen vielleicht bewusst Informationen vor? Diese Frage ist berechtigt, schließlich können Sie durch die räumliche Trennung nicht alles permanent im Auge behalten. Auch bietet die besondere Situation  Potenzial für Missverständnisse. Bemerken Sie, dass Vereinbarungen nicht eingehalten und die Ergebnisse zu wünschen übrig lassen, so ist es an Ihnen klärend einzugreifen.

Unternehmenskultur muss teilzeitfreundlich sein

Nicht in jedem Unternehmen lässt sich die Führungsverantwortung so einfach auf eine Teilzeitstelle übertragen. Die vorhandenen Strukturen müssen passen. Wenn Sie mit reduzierter Stundenzahl führen möchten, ist auch Ihr Arbeitgeber gefordert. Das bedeutet auf beiden Seiten Veränderungsbereitschaft und gegenseitiges Entgegenkommen. Haben Sie die Zustimmung erhalten, dürfen Sie auch erwarten, dass man Ihnen bei der praktischen Umsetzung hilft und keine Steine in den Weg legt.

Vier Modelle für Teilzeit-Chefs

1. Jobsharing

Dieser Begriff, in den Siebzigerjahren in den USA entstanden, bedeutete zunächst, dass sich zwei in Teilzeit arbeitende Personen eine Stelle teilen. Heute spricht man von Jobsharing, Co-Sharing oder auch Co-Leadership, wenn sich zwei Führungskräfte eine Position teilen und als Führungstandem Verantwortung übernehmen.

Für das Team kann das ein Motivationsschub sein und die Loyalität zum Unternehmen erhöhen, es ist jedoch auch eine Herausforderung. Gerade Frauen, die in Teilzeit tätig sind, nutzen dieses Modell. Weil sie so Karriere und Familie besser in Einklang bringen können. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass dieses Konzept nur in Einzelfällen erfolgreich ist und daher eher seltener genutzt wird.

Vorteile eines Jobsharing:

  • Entscheidungen werden im Tandem oft schneller getroffen.
  • Zwei Partner mit unterschiedlichen Kompetenzen ergänzen sich im Idealfall fachlich.
  • Gemeinsam lassen sich mehr Ideen entwickeln.
  • Fehler werden schneller bemerkt.

Das Führungstandem fängt Belastungen bei der Arbeit besser auf.

Nachteile eines Jobsharing

  • Die Tandem-Partner müssen bereits sein, Erfolge zu teilen und für Misserfolge gemeinsam einzustehen.
  • Beide Führungskräfte sollten in der gleichen Sprache sprechen und mit der gleichen Konsequenz führen.
  • Das Führungsteam muss sich mögen, gut zusammenarbeiten können und sich gegenseitig vertrauen.

2. Ernennung eines Stellvertreters

Bei diesem Modell übernimmt eine andere Person während Ihrer Abwesenheit Ihre Aufgaben. Sie ist dann auch befugt, wichtige Entscheidungen zu treffen. Als Führungskraft werden Sie so weniger häufig kontaktiert und können sich auf andere Aufgaben konzentrieren. Dieses Modell bietet zudem die Möglichkeit, motivierte Nachwuchsführungskräfte einzusetzen und ihnen so zu zeigen, dass man ihnen Verantwortung zutraut.

3. Homeoffice

Als Teilzeit-Führungskraft müssen Sie nicht die gesamte Arbeitszeit im Büro anwesend sein. Heute ist es kein Problem mehr, von zu Hause zu arbeiten und an alle benötigten Informationen zu gelangen. Die digitalen Möglichkeiten sind vielfältig, die Weiterleitung Ihrer E-Mails und die Nutzung eines externen Server-Zugangs sind technisch unproblematisch. Auch die Teilnahme an Online-Besprechungen und Videokonferenzen gehören mittlerweile zum Alltag, sodass Sie über das Geschehen im Unternehmen auf dem Laufenden bleiben und regelmäßig über aktuelle Geschehnisse informiert sind. Die teilweise Präsenz in den eigenen vier Wänden spart Fahrzeit und verschafft Ihnen die Chance, flexibel und auch außerhalb der üblichen Arbeitszeit tätig zu werden.

4. Projektbezogene Tätigkeit

Als Führungskraft müssen Sie Ihr Team auf die neue Situation vorbereiten. Sinnvoll ist es, bestimmte Aufgaben eines Projektes an jeweils einen Ansprechpartner zu delegieren. Dieser handelt verantwortlich und stimmt sich mit anderen Abteilungen ab. Sie selbst behalten das Gesamte im Blick, müssen dafür aber nicht täglich vor Ort sein. Wichtig ist, dass Sie als Führungskraft bereit sind, Verantwortung zu teilen, und Vertrauen in Ihr Team haben. 

So lässt sich Führung in Teilzeit als Erfolgsmodell gestalten

Haben Sie sich für eine Führung in Teilzeit entschieden, gehen Sie davon aus, dass es einige Zeit dauern wird, bis Sie sich und Ihr Team an die neue Situation gewöhnt haben und wieder Routine einkehrt.

Darauf sollten Sie achten, wenn Sie als Teilzeit-Chef tätig sind.

5 Tipps für ein erfolgreiches Zusammenarbeiten

  • 1. Tipp: Teilen Sie Ihrem Team mit, an welchen Tagen Sie vor Ort sind.     
  • 2. Tipp: Legen Sie konkrete Termine und Sprechzeiten im Büro fest.      
  • 3. Tipp: Das komplette Team muss so flexibel sein, dass der betriebliche Alltag auch funktioniert, wenn es einmal anders läuft als üblich.    
  • 4. Tipp: Geben Sie Aufgaben ab, teilen Sie Verantwortung. So zeigen Sie, dass Sie Ihrem Team vertrauen.     
  • 5. Tipp: Neben Disziplin müssen Sie lernen, effizient zu organisieren und Prioritäten zu setzen. Professionelle Unterstützung bieten auch Coaching- und Workshop-Programme, die Ihnen helfen, Kommunikationstechniken und Zeitmanagement-Strategien kennenzulernen, die Sie bei der Selbstorganisation unterstützen.

Was bedeutet Teilzeit-Führung für das Unternehmen?

Unternehmen, die ihren Führungskräften die Möglichkeit bieten, in Teilzeit zu arbeiten, können sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Das ist gerade in Zeiten von Fachkräftemangel ein wichtiger Pluspunkt. Sie zeigen damit, dass sie tradierte Vorstellungen von Führung hinterfragen und sich auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einstellen. Und sie machen deutlich, dass sie mehr auf Resultate als auf Anwesenheitszeiten setzen. Gleichzeitig eröffnen sie auch Frauen die Möglichkeit, Führungsaufgaben zu übernehmen.

In Teilzeit zu führen, kann gelingen und für Unternehmen und für Sie selbst eine Win-win-Situation darstellen. Das setzt jedoch die Bereitschaft im Unternehmen voraus, tradierte Vorstellungen von Führung aufzugeben und sich für flexible Arbeitsmodelle auch im Management zu öffnen. Auch die  Führungskraft ist gefordert. Wer als Teilzeit-Chef führt, muss sich im Klaren darüber sein, dass nur durch eine genaue Planung und Organisation die Basis für eine effektive Zusammenarbeit geschaffen werden kann.