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Gesetzliche Rente: Beeinflusst Teilzeit die Altersvorsorge?

Anastasia Johlen am 28.02.2019
ca. 1053 Worte
ungefähre Lesezeit 3 Minuten 49 Sekunden
Gesetzliche Rente: Beeinflusst Teilzeit die Altersvorsorge?
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Inhalt:
  1. Deutschland: Trotz Rente herrscht Altersarmut
  2. Wie wird die Rente berechnet?
    1. Rentenpunkte vergeben
    2. Wie viele Rentenpunkte erhalten Sie?
    3. So viel entspricht ein Rentenpunkt in Euro:
  3. Teilzeit: Verringert die Rente 
  4. Wie hoch fällt die Rente bei einer Teilzeitbeschäftigung aus?
  5. Teilzeitbeschäftigung: Im Alter oft nur mit Grundsicherung auszugleichen
  6. Sonderfall: Teilzeit und Rente bei Kindererziehung und Pflege 
  7. Ratsam zusätzliche Rücklagen für das Alter anzulegen

Rente und Altersvorsorge gehören zu einem sehr wichtigen Thema, mit dem sich früher oder später jeder in Deutschland beschäftigen muss. Doch besonders die jüngere Generation macht sich kaum Gedanken, wie es mit der finanziellen Versorgung im Alter aussieht. Die Altersarmut ist generell ein großes Thema in Deutschland: Immer mehr Menschen können im Alter von ihrer Rente nicht leben. 

Doch wie viel Rente erhalten Sie als Arbeitnehmer generell? Und wirkt sich eine Beschäftigung in Teilzeit in irgendeiner Weise auf die Höhe der Rente aus? Erfahren Sie hier alles zum Thema Rentenversicherung und einer Anstellung in Teilzeit. 

Deutschland: Trotz Rente herrscht Altersarmut

Leider ist es oft die bittere Wahrheit, dass sich Menschen im Alter, trotz regelmäßigem Einkommen mit der Rente nicht über Wasser halten können. Besonders, wenn Sie langfristig in Teilzeit arbeiten, wirkt sich das sehr mindernd auf Ihre Rente aus.

Wie wird die Rente berechnet?

Die Rente berechnet sich aus Gehalt, Zugangsfaktor, Rentenfaktor, Entgeltpunkte bzw. Rentenpunkte und Rentenwert. Grundlegend für die Berechnung Ihrer Altersrente sind die sogenannten Rentenpunkte. Mit den Rentenpunkten soll eine gerechte Rente anhand der Arbeitsleistung entstehen. 

Ganz nach dem Leistungsprinzip: Arbeitet der Arbeitnehmer länger oder höhere Beiträge in die Rentenkasse einzahlt, erhält im Alter und Ruhestand auch eine höhere Altersrente.

Rentenpunkte vergeben

Sogenannte Beiträge für die Solidargemeinschaft, dazu zählt zum Beispiel die Kindererziehung, sollen die Rente erhöhen. Damit die Leistung und Kindererziehung bei der gesetzlichen Rente einbezogen werden können, sind die Rentenpunkte notwendig. 

Jeder Versicherte der gesetzlichen Rentenkasse sammelt diese Rentenpunkte bzw. Entgeltpunkte auf dem eigenen Rentenkonto.

Wie viele Rentenpunkte erhalten Sie?

Die Höhe der Rentenpunkte errechnen sich aus Ihrem Arbeitsentgelt im Verhältnis zu dem durchschnittlichen Entgelt aller Versicherten der gesetzlichen Rentenkasse. Jahr für Jahr wird Ihr Verdienst mit dem Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer verglichen. 

  • Entspricht Ihr Jahresentgelt exakt dem Durchschnittsverdienst, erhalten Sie einen Entgeltpunkt.
  • Verdienen Sie also im Vergleich zum Durchschnitt nur die Hälfte, werden Ihnen 0,5 Punkte gutgeschrieben. 
  • Hingegen erhalten Sie bei höherem Verdienst als der durchschnittliche Wert, etwa das 1,5-fache, werden Ihnen 1,5 Rentenpunkte gut geschrieben. 
  • Durchschnittsverdiener sammeln etwa 50 bis 48 Entgeltpunkte während seines Arbeitslebens.

So viel entspricht ein Rentenpunkt in Euro:

Der Rentenwert entspricht ab Juli 2019 33,50 Euro in den alten Bundesländern und 31,89 Euro in den neuen Bundesländern. Aktuell liegt der Wert noch bis Juli bei 32,03 und 30,69 Euro.

Teilzeit: Verringert die Rente 

Arbeiten in Teilzeit bedeutet weniger Wochenstunden arbeiten und von der klassischen 40-Stunden-Woche abzuweichen. Das bedeutet natürlich auch ein geringeres Bruttoeinkommen im Monat. 

Viele Arbeitnehmer entscheiden sich bewusst für eine geringere Arbeitszeit, auch wenn dadurch die monatlichen Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung kleiner ausfallen.

Typische Gründe für die Teilzeitbeschäftigung sind wohl Kinder oder gesundheitliche Gründe sowie der generelle Wunsch nach weniger Arbeit.

Wie hoch fällt die Rente bei einer Teilzeitbeschäftigung aus?

Die tatsächliche Rente hängt von vielen individuellen Faktoren ab. So kann nicht allgemein gesagt oder festgelegt werden, wie viel Rente jeder Arbeitnehmer in Teilzeit erhält. 

Haben Sie bereits mehrere Jahre in Vollzeit gearbeitet, erhalten Sie wohl eine höhere Rente, als Arbeitnehmer die noch nie in Vollzeit gearbeitet haben. Generell ist jedoch eine erheblich geringere Rente bei Beschäftigungen in Teilzeit zu erwarten. 

Natürlich ist eine Teilzeitstelle verlockend und einigen Arbeitnehmern bleibt oft gar keine andere Wahl, doch Ihnen muss bewusst sein, inwiefern sich das monatliche Einkommen auf die Altersrente auswirkt.

Beispiel Bruttoeinkommen & Rente:

Verdienen Sie weniger als 22.800 Euro im Jahr, erhalten Sie selbst nach 40 Jahren Arbeit nicht einmal eine Rente von 720 Euro.

Damit Arbeitnehmer nicht in die Grundsicherung fallen, müssen Sie mindestens für 40 Jahre mehr als 1935 Euro brutto im Monat verdienen. Im Jahr wären das 31.200 Euro brutto.

Trotzdem erhalten Sie dann lediglich eine monatliche Rente von 779 Euro.  

Teilzeitbeschäftigung: Im Alter oft nur mit Grundsicherung auszugleichen

Trotz jahrelanger Arbeit fällt die Rente sehr gering aus und das auch bei einem guten Einkommen in Vollzeit. Viele Menschen kommen um die Grundsicherung nicht herum, welche als finanzielle Unterstützung für den Lebensunterhalt gilt. 

Grundsicherung (Stand 2018):

  • Für eine Person: 416 Euro + Kosten für die Wohnung
  • Für Ehepaare: 748 Euro + Kosten für die Wohnung

Die tatsächliche Unterstützung ergibt sich aus den Kosten für die Wohnung, sodass die Höhe der Grundsicherung abhängig von der Warmmiete ist. 

Sonderfall: Teilzeit und Rente bei Kindererziehung und Pflege 

Besonders Mütter bevorzugen die Beschäftigung in Teilzeit, aber auch immer mehr Väter möchten mehr an der Erziehung und am Leben mit Kind oder den Kindern teilhaben. Ebenso gibt es Menschen, die aufgrund von pflegebedürftigen Familienmitgliedern nur in Teilzeit arbeiten können.

In diesen Fällen greifen Sonderregelungen in Bezug auf die Rentenbeiträge.

Die Kinderziehung gilt als wichtiger Beitrag zur Solidargemeinschaft und nimmt Zeit und Einsatz in Anspruch. Folglich können viele Eltern, insbesondere Müttern, nur noch eingeschränkt erwerbstätig sein. 

Oft hat mindestens ein Elternteil ein Arbeitsverhältnis in Teilzeit, was sich auch im Vergleich zum vorherigen Vollzeitjob auf die finanzielle Situation und die Rente auswirkt.

Deshalb erhalten Eltern, meist die Mütter, zusätzliche Rentenpunkte, die sich ohne eigene Beiträge positiv auf die Rente auswirken. 

  • Für Kinder die bis 1991 geboren wurden, erhalten Eltern für den Zeitraum des ersten Lebensjahrs insgesamt einen Rentenpunkt.
  • Für Kinder, die seit 1992 geboren wurden, erhalten Eltern für die ersten drei Jahre einen Punkt, und so insgesamt 3 Rentenpunkte.

Ratsam zusätzliche Rücklagen für das Alter anzulegen

Viele Menschen können im Alter trotz Rente nicht gut leben und kommen nicht gut über die Runden. Deshalb ist es ratsam, besonders bei einer langfristigen Beschäftigung in Teilzeit, andere finanzielle Rücklagen zu überdenken. 

Aufgrund der aktuellen Lage ist es abzusehen, dass in Zukunft die jüngeren Generationen noch eine geringere Rente haben.

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird es in Deutschland zur vermehrten Altersarmut kommen, weshalb sich besonders junge Menschen über zusätzliche Rücklagen informieren sollten.

Mögliche finanzielle Rücklagen neben der Rente

  • Fonds: Sie zahlen monatlich oder jährlich in Fons sein, können da Geld aber jederzeit nutzen.
  • Riester-Rente: Es handelt sich um eine private Rentenversicherung, die zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung mit finanziellen Beiträgen gefüllt wird. 
  • Einnahmen durch Mieten: Investieren Sie in Eigentumswohnungen oder Häuser und vermieten Sie diese. Immobilien füllen mit Sicherheit immer die Geldbeutel.

Egal, wie Sie sich neben der regulären Rente weiterhin absichern. Wichtig ist, dass Ihnen bewusst ist, inwiefern sich das aktuelle Bruttoeinkommen auf die Zukunft auswirkt. Arbeiten in Teilzeit ist ein Arbeitsverhältnis, dass bei vielen sehr beliebt ist, was auch legitim ist. Dennoch ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht jedem bewusst, welche finanziellen Auswirkungen das für die Zukunft bedeutet.