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Jobsharing: Der neuste Trend der Teilzeitarbeit

Jana Fast am 15.12.2016
ca. 991 Worte
ungefähre Lesezeit 3 Minuten 36 Sekunden
Jobsharing: Der neuste Trend der Teilzeitarbeit
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Inhalt:
  1. Wie funktioniert Jobsharing?
  2. Jobsharing: Vor- und Nachteile
  3. Jobsharing: Gesetzliche Regelungen zur Arbeitsplatzteilung
  4. Bin ich dazu verpflichtet, bei Ausfall meines Jobsharing-Partners für diesen als Vertretung einzuspringen?
  5. Kann ich meinen Arbeitsplatz verlieren, wenn mein Jobsharing-Kollege kündigt oder gekündigt wird?
  6. Darf jedes Unternehmen Jobsharing anbieten?

Möchten Sie Familie und Karriere besser miteinander vereinbaren können? Wünschen Sie sich mehr Zeit, um sich ehrenamtlich zu engagieren oder eine politische Karriere aufzubauen? Oder haben Sie den Wunsch, selbst eine Firma zu gründen und benötigen dafür mehr Zeit, um an Weiterbildungen teilzunehmen und Ihre Ideen in die Tat umzusetzen? Die klassische 40-Stunden-Woche hat ausgedient. Angestellte möchten zusehends ein selbstbestimmtes Leben führen, in dem Sie selbst entscheiden, wie viele Stunden am Tag oder in der Woche sie der Arbeit widmen möchten. Die individuelle Gestaltung des eigenen Lebens ist ein Wunsch, den es zwar schon immer gab- doch nur in einer modernen Gesellschaft genug Akzeptanz gewonnen hat und somit auch von Arbeitgebern ermöglicht wird. Wie? Mit einer ganz besonderen Form der Teilzeitarbeit: dem Jobsharing!

Im Teilzeit- und Befristungsgesetz befasst sich ein ganzer Paragraph mit der Arbeitsplatzteilung. Dieses Konzept gibt es schon lange und wird vor allem in Großbritannien und in den USA von vielen Arbeitnehmern gerne angenommen. Worum es sich beim Jobsharing genau handelt, welche rechtlichen Rahmenbedingungen dafür gelten und vieles mehr erfahren Sie hier!

Wie funktioniert Jobsharing?

Beim Jobsharing teilen sich in der Regel zwei Arbeitnehmer eine Vollzeitstelle. Beide „Jobsharer“ arbeiten allerdings in Teilzeit. Wie die Arbeitszeit aufgeteilt wird, bleibt den Arbeitnehmern überlassen. Es können 50/50 Vereinbarungen getroffen werden, oder auch 40/60 Vereinbarungen. Ein Teil des Teams kann immer am Vormittag arbeiten, der andere Teil am Nachmittag, oder auch abwechselnd. Eine strikte Teilung der Aufgabenbereiche gibt es nicht. Beide Arbeitnehmer befassen sich mit allen Aufgabenbereichen, die auf der geteilten Position eben so anfallen. Flexible Arbeitszeitmodelle wie diese ermöglichen es Arbeitnehmern, anspruchsvolle Jobangebote auch in Teilzeit besetzen zu können. Das Ziel ist die gemeinsame Erfüllung der Arbeitsaufgabe.

Jobsharing: Vor- und Nachteile

Nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch Arbeitgeber profitieren von diesem neuen Modell, denn: vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei! Fehler werden vermieden, weil der Job von zwei oder mehr Personen erledigt wird. Ebenfalls ein großer Vorteil: Zwei verschiedene Blickwinkel, Herangehensweisen, unterschiedliche Ideen und auch Kompetenzfelder werden in den Tätigkeitsbereich einer einzelnen Position gebracht. Je nach vorheriger beruflicher Laufbahn bringen unterschiedliche Arbeitnehmer auch unterschiedliches Know-How mit in den neuen Job. So können Herausforderungen besser gemeistert werden, als wenn eine einzelne Vollzeitkraft diese alleine bewältigen müsste. Arbeitnehmer profitieren natürlich davon, dass sich die Arbeitszeiten beim Jobsharing sogar noch flexibler einteilen lassen als bei einer normalen Teilzeitstelle.

Die Nachteile bei diesem Modell liegen darin, dass die Kommunikation zwischen den Jobsharern einwandfrei funktionieren muss, sonst bleiben Arbeiten liegen oder werden nicht rechtzeitig eingereicht. Auch eine Arbeitsübergabe und das Bericht erstatten darüber, was bereits erledigt ist und was nicht kann manchmal zeitaufwendig sein und den Arbeitsfluss stören. Dies sind aber überwiegend Probleme oder Nachteile, mit denen am Anfang zu rechnen ist. Schon bald werden Jobsharer zu einem eingespielten Team, bei dem auf jeden Verlass ist und man immer weiß, was zu tun ist, auch ohne lange Besprechungen.

Jobsharing: Gesetzliche Regelungen zur Arbeitsplatzteilung

Weil es sich beim Jobsharing um eine Art der Teilzeitarbeit handelt, findet man rechtliche Bestimmungen zu diesem Arbeitszeitmodell im Teilzeit- und Befristungsgesetz unter §13. Dieser besagt, dass Unternehmen gemeinsam mit Arbeitnehmern die Vereinbarung darüber treffen können, dass mehrere Angestellte sich einen Arbeitsplatz teilen. Dies bedeutet, dass eine Vollzeitstelle nicht mit einem Arbeitnehmer in Vollzeit, sondern mit mindestens zwei Arbeitnehmern in Teilzeit besetzt werden kann. Das Besondere: Es können auch ganze Gruppen von vier oder mehr Teammitgliedern eine Stelle besetzen.

Bin ich dazu verpflichtet, bei Ausfall meines Jobsharing-Partners für diesen als Vertretung einzuspringen?

Nicht unbedingt! Laut §13 Absatz 1 kann ein Arbeitnehmer nicht im voraus dazu verpflichtet werden, einen plötzlich aufgefallenen Jobsharing-Partner auf Dauer zu vertreten und damit die eigene Arbeitszeit pro Tag zu verdoppeln. Beim Jobsharing handelt es sich ja schließlich um eine Teilzeitbeschäftigung, die nicht einfach für einen gewissen Zeitraum in eine Vollzeitbeschäftigung umgeändert werden kann. Außer: Dies wurde explizit mit dem Arbeitgeber so vereinbart. In vielen Arbeitsverträgen wird festgehalten, dass im Falle eines Urlaubes der Jobsharing Partner vertreten werden muss.

Wenn ein Teil eines Jobsharing Kollektivs ausfällt, muss für den speziellen Einzelfall eine Vereinbarung zwischen dem anderen Teil des Jobsharing Kollektivs und dem Arbeitgeber getroffen werden. Liegen dringende betriebliche Erfordernisse vor, kann der Arbeitsvertrag eine Vertretungspflicht für so einem Fall bestimmen. Es gilt allerdings: Die Vertretung muss für den Arbeitnehmer zumutbar sein. Wenn eine alleinerziehende Mutter keine Betreuung für ihr Kind hat, dann ist die Vertretungspflicht in diesem Fall nicht zumutbar und die Arbeitnehmerin davon befreit.

Kann ich meinen Arbeitsplatz verlieren, wenn mein Jobsharing-Kollege kündigt oder gekündigt wird?

Grundsätzlich lautet die Antwort auf diese Frage Nein. Doch leider gibt es auch Ausnahmen. Es ist so: Ist ein Teil des Vollzeitjobs, den Sie sich mit einem anderen Kollegen in Teilzeit teilen unbesetzt, wird die Position nicht mehr ausreichend bedient. Aus diesem Grund muss Ihr Arbeitgeber sich schnell darum bemühen, eine weitere Arbeitskraft für die Arbeitsplatzteilung einzustellen, um einen neuen Jobsharing-Partner für Sie zu finden. Nur wenn dies nicht klappt, könnte Ihr aktueller Arbeitsplatz in Gefahr sein.

Gelingt es dem Unternehmen nicht, einen passenden Angestellten zu finden, könnten Sie eine Änderungskündigung erhalten. Eine Änderungskündigung ist keine Kündigung im klassischen Sinne. Ihnen wird nur eine andere Teilzeitstelle im Unternehmen angeboten. Das Problem: Wenn es keine weitere Teilzeitstelle gibt, wird man Ihnen eine Vollzeitstelle anbieten. Entspricht diese Beschäftigungsform nicht Ihren Wünschen und Vorstellungen, bleibt nichts anderes übrig als das Unternehmen zu verlassen.

Darf jedes Unternehmen Jobsharing anbieten?

Rechtlich gesehen lautet die Antwort auf diese Frage Ja! Jedes Unternehmen kann im Prinzip Jobsharing anbieten. Viele große Unternehmen tun dies auch bereits. Doch ist dieser Trend zur Arbeitsplatzteilung noch nicht überall angekommen. Einen Anspruch, dass der aktuelle Arbeitgeber so ein Arbeitszeitmodell einführt, haben Arbeitnehmer leider nicht. Hier bleibt nur die Suche nach konkreten Angeboten oder die Initiativbewerbung auf so eine Stelle. Bei Interesse kann es sich aber auch durchaus lohnen, mit dem Vorgesetzten darüber zu sprechen. Präsentieren Sie die vielen Vorteile der modernen Arbeitsplatzteilung und überzeugen Sie Ihren Chef davon! Dies ist eine hervorragende Alternative, wenn Sie derzeit noch in Vollzeit arbeiten und Ihre Stundenzahl reduzieren möchten!