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Stunden reduzieren - 6 Tipps für den Wechsel in die Teilzeit

Tanja Tänzer am 23.02.2018
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Stunden reduzieren - 6 Tipps für den Wechsel in die Teilzeit
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Inhalt:
  1. Die Vorteile der Teilzeitarbeit
  2. Wie kommen Sie in den Genuss dieser Vorteile
    1. 1. Prüfen Sie Ihren Anspruch
    2. 2. Achten Sie auf die Einhaltung der Fristen
    3. 3. Arbeitszeitgestaltung planen
    4. 4. Absprache mit dem Arbeitgeber
    5. 5. Gegebenenfalls Urlaubsanspruch regeln
    6. 6. Rückkehrmöglichkeit aushandeln
  3. Die Kehrseite der Medaille
  4. Fazit

Obwohl Teilzeitarbeit immer mehr im Kommen ist, gibt es auch heute noch Arbeitgeber, die solchen individuell angepassten Arbeitszeitmodellen skeptisch gegenüberstehen. Dabei zeigt eine aktuelle Studie, die das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in Auftrag gegeben hat, dass Arbeitnehmer die in Teilzeit arbeiten nicht nur motivierter und seltener krank sind, sondern auch produktiver. Grund dafür ist wohl, dass Teilzeitkräfte dank mehr freier Zeit einen besseren Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag finden.

Die Vorteile der Teilzeitarbeit

Die Vorzüge der reduzierten Arbeitszeit liegen auf der Hand:

  • Mehr Zeit für private Dinge

Mehr Zeit für die Familie, für Kindererziehung, die Pflege von Angehörigen oder auch Hobbys, Ehrenämter und die berufliche Weiterbildung – wer weniger arbeitet hat mehr Freizeit.

  • Mehr Erholung

Mehr Freizeit bedeutet für gewöhnlich auch mehr Erholung. Und das wiederum wirkt sich positiv auf das eigene Wohlbefinden aus und steigert die Leistungsfähigkeit.

  • Sanfte Übergänge

Dank Teilzeit ist es Müttern möglich, nach oder während der Elternzeit, langsam wieder in den Berufsalltag zurückzufinden. Aber es geht auch anders rum. Denn nach Jahrzehnten im Beruf fällt es vielen schwer, von einem Tag auf den anderen „loszulassen“. Hier bietet die Altersteilzeit eine gute Lösung für den „sanften“ Ausstieg.

  • Arbeit trotz Einschränkungen

Die verminderte Belastung in Teilzeit ermöglicht auch Menschen die gesundheitlich eingeschränkt sind eine optimale Einbindung in den Arbeitsalltag und eine berufliche Perspektive.

  • Steuerliche Vorteile

Nicht zuletzt bleibt Ihnen in Teilzeit mehr Netto vom Brutto. Sprich: Sie zahlen weniger Lohnsteuer. Ausrechnen können Sie die Auswirkungen der Stundenreduktion mit dem Teilzeitrechner, den das Bundesministerium für Arbeit auf seiner Webseite zur Verfügung stellt.

Wie kommen Sie in den Genuss dieser Vorteile

1. Prüfen Sie Ihren Anspruch

Jeder Arbeitnehmer hat ein gesetzlich verankertes Recht von einer Vollzeitbeschäftigung in eine Teilzeitbeschäftigung zu wechseln. Das gilt allerdings nur, wenn er zuvor bereits mindestens sechs Monate lang bei seinem Arbeitgeber beschäftigt war und in den letzten zwei Jahren keinen Antrag auf Arbeitszeitverkürzung (egal ob positiv oder negativ beschieden) gestellt hat. Außerdem muss der Betrieb mehr als 15 Angestellte haben.

2. Achten Sie auf die Einhaltung der Fristen

Einen Antrag auf Teilzeitarbeit müssen Sie spätestens drei Monate vor dem gewünschten Termin, zu dem Sie kürzertreten wollen, eingereicht haben. Das muss nicht schriftlich sein, es ist aber zu empfehlen. Dann hat der Arbeitgeber zwei Monate Zeit um Ihren Antrag zu prüfen und ihn gegebenenfalls abzulehnen. Haben Sie, bis einen Monat vor dem gesetzten Datum, keine Reaktion erhalten, tritt Ihre Teilzeit automatisch in Kraft. Ein Sonderfall ist die Teilzeit während der Elternzeit. Hier reicht es, wenn Sie sich sieben Wochen zuvor mit Ihrem Wunsch melden.

3. Arbeitszeitgestaltung planen

Überlegen Sie sich gut um wie viele Stunden Sie Ihre Arbeitszeit reduzieren wollen. Bedenken Sie dabei, dass weniger Arbeit auch weniger Einkommen bedeutet. Auf der anderen Seite steht der Erholungseffekt, der bei einer kaum spürbaren Kürzung schnell dahin ist. Was Sie bei Ihren Abwägungen stets im Hinterkopf behalten sollten: Sie können frühestens nach zwei Jahren erneut verkürzen. Sonderregelungen gelten auch hier in der Elternzeit. Die befristete Arbeitszeitverkürzung muss sich mindestens über zwei Monate erstrecken und sich in einem Umfang von 15 bis 30 Wochenstunden bewegen.

4. Absprache mit dem Arbeitgeber

Sie haben alles durchdacht und sich entschieden? Dann geht es nun an die Absprache mit Ihrem Chef. Am besten teilen Sie ihm gleich in Ihrem Antrag Ihre Vorstellungen bezüglich Stunden und Verteilung mit. Letztendlich ist aber nicht gesagt, ob Ihre Wünsche exakt so umsetzbar sind – es muss ja auch für den Betrieb passen. Zeigen Sie sich also kompromissbereit – es lässt sich sicher eine Regelung finden, die für beide Seiten gut tragbar ist. Können Sie sich nicht einigen, ist der Arbeitgeber verpflichtet nachzuweisen, dass er keinen adäquaten Ersatz für Sie zu den strittigen Zeiten gefunden hat.

5. Gegebenenfalls Urlaubsanspruch regeln

Für gewöhnlich richtet sich der Urlaubsanspruch nach den Arbeitstagen pro Woche. Sollten Sie ein alternierendes System, mit wechselndem Arbeitspensum und Tagen anstreben, bietet es sich an vertraglich auch den Urlaub zu regeln.

6. Rückkehrmöglichkeit aushandeln

Bedenken Sie, dass es derzeit zwar ein Recht auf Teilzeitarbeit gibt, aber keines, das Ihnen eine Rückkehr in die Vollzeit zusichert. Um nicht in der sogenannten „Teilzeitfalle“ zu landen, ist es ratsam mit Ihrem Arbeitgeber von vornherein eine befristete Teilzeit zu vereinbaren – wenn Sie keine dauerhafte Stundenreduktion anstreben. Das heißt, Sie legen vertraglich fest, dass Sie für einen gewissen Zeitraum weniger arbeiten. Ist dieser vorbei können Sie wieder Vollzeit einsteigen. Ansonsten ist Ihre Rückkehr ganz vom Wohlwollen Ihres Chefs abhängig, wenn nicht gerade eine adäquate Vollzeitstelle frei geworden ist.

Die Kehrseite der Medaille

Wie alles im Leben hat auch die Teilzeitarbeit nicht nur positive, sondern auch negative Seiten, die es vor einer Entscheidung zu bedenken gilt.

  • Finanzielle Einbußen

Ganz klar: Weniger Arbeit bedeutet weniger Einkommen. Wer im Niedriglohnsektor arbeitet oder die Familie als Alleinverdiener versorgen muss, sollte genau nachrechnen, ob das Geld bis zum Monatsende reicht.

  • Karriere ade

Je nach Unternehmen kann Teilzeitarbeit Ihren Karriereplänen im Wege stehen und Sie in Ihrer innerbetrieblichen Entwicklung ausbremsen. Denn vor allem von Führungskräften werden Präsenz und harte Arbeit erwartet.

  • Geringerer Rentenanspruch

Wer weniger verdient, zahlt weniger in die Rentenkasse ein und bekommt am Ende auch weniger raus. Erkundigen Sie sich vorher, um im Alter kein böses Erwachen zu erleben.

  • Kein Rückkehrrecht

Wer keine gesonderte Regelung für seine Rückkehr in Vollzeit getroffen hat, hängt in der Teilzeit fest.

Fazit

Lassen Sie sich nicht von der Aussicht auf mehr Freizeit hinreißen. Stellen Sie sich folgende Fragen, bevor Sie einen Antrag auf Teilzeitarbeit stellen:

  • Möchte ich nur vorübergehend oder dauerhaft weniger arbeiten? Und wenn nur vorübergehend: für welche Zeit?
  • Wie viel will, bzw. kann ich kürzertreten?
  • Was möchte ich beruflich noch erreichen und sind diese Ziele mit Teilzeitarbeit zu vereinen?

Schließlich heißt es für Sie den richtigen Weg zu finden, bei dem Sie weiterhin von Ihrer Arbeit leben können, ohne sich im Job vollkommen aufzureiben.