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Teilzeit arbeiten: Wann haben Arbeitnehmer Anspruch auf Teilzeit?

Lillia Seifert am 22.12.2020
ca. 1167 Worte
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Teilzeit arbeiten: Wann haben Arbeitnehmer Anspruch auf Teilzeit?
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Inhalt:
  1. Was genau gilt als Teilzeitarbeit?
  2. Arbeitsmarkt-Trend Teilzeit: Das Modell der Zukunft?
  3. Arbeitszeitverkürzung: Gesetz zum Recht auf Teilzeit
    1. Wann besteht das Recht auf Teilzeit?
    2. Wie wird der Anspruch auf Teilzeit geltend gemacht?
    3. Wann kann der Wunsch auf Teilzeit abgelehnt werden?
    4. Arbeitgebersicht: Sollte man den Antrag ablehnen?
  4. Neuer Anspruch auf Brückenteilzeit: 7 Kriterien müssen erfüllt sein
    1. Elternzeit: Voraussetzungen für gesonderten Anspruch auf Teilzeit

Die Arbeit in Teilzeit wird bei Arbeitnehmern immer beliebter. Aus Unwissenheit ziehen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer dieses Modell jedoch häufig noch nicht der Vollzeitarbeit vor. Dabei hat doch jeder einen Anspruch auf Teilzeit, oder nicht? Wir geben im Folgenden Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Teilzeitgesetz und klären über Rechte und Pflichten auf, um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Was genau gilt als Teilzeitarbeit?

Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass es sich bei dem Arbeitsmodell Teilzeit um eine Beschäftigung handelt, in der ein Arbeitnehmer etwa zwei bis drei Tage die Woche arbeitet. Allerdings ist Teilzeitarbeit nicht mit einem Halbtagsjob gleichzusetzen, bei dem die Hälfte der Wochenstunden gearbeitet wird wie im vergleichbaren Vollzeitjob. Die Gesetzeslage hat den Begriff des teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmers in § 2 wie folgt festgesetzt:

„Teilzeitbeschäftigt ist ein Arbeitnehmer, dessen regelmäßige Wochenarbeitszeit kürzer ist als die eines vergleichbaren Vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers.“

Somit ist die Arbeit in Teilzeit unabhängig von den Arbeitsstunden zu sehen, sondern muss immer im Vergleich zu den durchschnittlichen Vollzeitbeschäftigten gesehen werden. Bei einer festen Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche in Vollzeit wäre ein Arbeitsvertrag mit 39 Stunden bereits ein Teilzeitvertrag.

Arbeitsmarkt-Trend Teilzeit: Das Modell der Zukunft?

Teilzeitarbeit hat sich in den letzten 30 Jahren zu einem echten Trendmodell entwickelt, welches insbesondere bei den jüngeren Generationen beliebt ist. So ist für die Millennials die Arbeit in Teilzeit bereits zum Berufseinstieg sehr erstrebenswert. Mitglieder der Generation Y wünschen sich flexible Arbeitszeiten, die alle Möglichkeiten zur freien Entfaltung im Privatleben bieten, ohne dabei am Hungertuch zu nagen.

Jungen Arbeitnehmern ist es besonders wichtig, nicht im Hamsterrad zu landen und nur noch zu leben, um zu arbeiten. Ihnen ist eine bessere Work-Life-Balance wichtiger als die große Karriere. Allerdings schließt das eine das andere gar nicht unbedingt aus. So haben neuere Modelle sich bereits erwiesen, in denen sogar Chefs in Teilzeit arbeiten.

Die Arbeit in Teilzeit erfreut sich also zunehmender Beliebtheit, doch welche Rechte und Pflichten stecken hinter dem Arbeitsmodell und was müssen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer beachten? Im folgenden Abschnitt klären wir diese und weitere Fragen und geben Aufschluss über das Gesetz zum Recht auf Teilzeit.

Arbeitszeitverkürzung: Gesetz zum Recht auf Teilzeit

Das Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (Teilzeit- und Befristungsgesetz – TzBfG) im § 8 besagt: „Ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate bestanden hat, kann verlangen, dass seine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit verringert wird.“ Somit hat jeder in Vollzeit beschäftigte grundsätzlich einen Anspruch auf Arbeitszeitreduzierung und den Wechsel in einen Teilzeitvertrag. Doch welche Bedingungen müssen dafür genau erfüllt sein?

Wann besteht das Recht auf Teilzeit?

Zum Schutz kleiner Unternehmen mit einer geringen Anzahl an Mitarbeitern, die auf die bestehende Arbeitsleistung ihrer Angestellten angewiesen sind, wurden im Zuge des Teilzeitgesetzes zwei Voraussetzungen festgelegt:

  • Der Mitarbeiter, der den Anspruch auf Teilzeit erheben möchte, muss bereits länger als sechs Monate im Unternehmen tätig sein (§ 8 Abs. 1 TzBfG).
  • Der Arbeitgeber muss in seinem Unternehmen mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigen, damit Arbeitnehmer das Recht auf Teilzeit haben.

Wie wird der Anspruch auf Teilzeit geltend gemacht?

Der Arbeitgeber muss seinen Wunsch auf Arbeitszeitverkürzung mindestens drei Monate vorher ankündigen, um den Anspruch auf Teilzeit geltend zu machen. Er muss seinen Wunsch nicht weiter begründen, allerdings die gewünschte Stundenzahl angeben sowie die genaue Verteilung der Arbeitstage.

Eine erneute Reduzierung der Arbeitszeit nach genehmigtem oder abgelehntem Antrag ist erst wieder nach zwei Jahren möglich. Außerdem besteht nach Zustimmung zur Teilzeit kein Anspruch auf eine Rückkehr in die Vollzeitbeschäftigung.

Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn der Verringerung in Textform mitteilen, ob er den Antrag auf Arbeitszeitreduzierung ablehnt oder diesem zustimmt. Andernfalls verringert sich die Arbeitszeit um die im Antrag gewünschte Anzahl an Stunden.

Wann kann der Wunsch auf Teilzeit abgelehnt werden?

Die Ablehnungsgründe durch den Arbeitgeber sind gesetzlich festgelegt, um eine willkürliche Ablehnung zu vermeiden. Der Antrag auf Teilzeit durch den Arbeitnehmer kann nur abgelehnt werden, wenn ernsthafte betriebliche Ursachen vorliegen. Außerdem können Arbeitgeber die Ablehnungsgründe im Tarifvertrag festlegen. Zu den gesetzlich festgelegten Gründen gehören:

  • Die Entstehung unverhältnismäßige Kosten.
  • Die Störung der Arbeitsabläufe.
  • Die Verminderung der betrieblichen Sicherheit.
  • Eine wesentliche Beeinträchtigung der Organisation.

Beispiel für eine Ablehnung des Antrags auf Teilzeit:

Der Arbeitgeber hat nicht die finanziellen Mittel einer Vollzeitkraft einzustellen, um den Ausfall der Arbeitsleistung durch die Arbeitszeitverkürzung seines Angestellten auszugleichen. Somit ist ein Ausgleich nur durch Überstunden anderer Mitarbeiter möglich, was eine wesentliche Beeinträchtigung darstellt.

Arbeitgebersicht: Sollte man den Antrag ablehnen?

Wenn Sie als Arbeitgeber keine Teilzeitarbeit erlauben wollen, sollten Sie dies wie bereits erwähnt gut und nachvollziehbar begründen können. Zudem ist rechtlich festgelegt, dass Sie sich auf Verhandlungen mit dem Arbeitnehmer einlassen müssen und sich so etwa bei einem Wunsch der Reduktion von 40 auf 30 Stunden pro Woche auf eine 35-Stunden-Woche einigen.  
Grundsätzlich sollten Sie auch die Vorteile der Teilzeitarbeit im Hinterkopf behalten, wenn Sie über den Wunsch Ihres Angestellten entscheiden. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich die Ausführung eines Jobs in Teilzeit positiv auf das Unternehmen auswirkt:

  • Mitarbeiter in Teilzeit sind motivierter, weniger krank und deutlich produktiver.
  • Die Mehrheit der Teilzeitkräfte ist fokussierter und damit effektiver.

Neuer Anspruch auf Brückenteilzeit: 7 Kriterien müssen erfüllt sein

Am 1. Januar 2019 wurde das Teilzeitgesetz dahingehend erweitert, dass Arbeitnehmer ihre festgesetzte Arbeitszeit für einen bestimmten Zeitraum verringern und danach wieder in ihr altes Modell zurückkehren können. Der Anspruch auf Brückenteilzeit besteht allerdings nur, wenn die folgenden sieben Kriterien erfüllt sind:

  • Die Größe des Unternehmens: Im Unternehmen müssen dauerhaft mehr als 45 Angestellte angestellt sein.
  • Der Beschäftigungszeitraum: Ein Arbeitnehmer muss bereits länger als sechs Monate im Unternehmen arbeiten.
  • Der Zeitpunkt der Antragstellung: Mindestens drei Monate vor Beginn der Teilzeit muss der Antrag eingereicht werden.
  • Die Genauigkeit der Angaben: Konkrete Angaben zum Umfang, Beginn und Ende der Verkürzung sind verpflichtend.
  • Der Umfang der Arbeitszeitverkürzung: Eine Reduzierung der Arbeitszeit ist nur für ein bis fünf Jahre möglich.
  • Der Ausschluss betrieblicher Einschränkungen: Beeinträchtigungen der Arbeitsabläufe, betrieblichen Sicherheit usw. sind auszuschließen.
  • Der Einsatz von Brückenteilzeit im Unternehmen: Ein Unternehmen muss nur einem von 15 Mitarbeitern Brückenteilzeit gewähren.

Elternzeit: Voraussetzungen für gesonderten Anspruch auf Teilzeit

In einem Zeitraum von bis zu drei Jahren kann eine Arbeitnehmerin, die in ihren Job zurück möchte, einen besonderen Anspruch auf Teilzeit im Sinne der verringerten Arbeitszeit (§ 15 Abs. 7) geltend machen. Dabei müssen die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Das Unternehmen muss mindestens 15 Angestellte beschäftigen.
  • Das Arbeitsverhältnis muss mindestens seit sechs Monaten bestehen.
  • Die Arbeitszeit muss mindestens für zwei Monate verringert werden.
  • Der Umfang der Verkürzung muss mindestens zwischen 15 und 30 Wochenstunden betragen.
  • Dem Anspruch dürfen keine dingenden betrieblichen Gründe entgegenstehen.
  • Der Anspruch muss mindestens sieben Wochen vor Beginn der Verkürzung mitgeteilt werden.

Falls der Arbeitgeber den Anspruch gut begründet ablehnt, muss er dies mindestens innerhalb von vier Wochen tun.

Wie Sie sehen, hat unter bestimmten Voraussetzungen jeder Arbeitnehmer ein Recht auf Teilzeit. Sind die Kriterien erfüllt, kann der Anspruch auf Arbeitszeitverkürzung geltend gemacht werden und ermöglicht Vollzeitbeschäftigten so einen einfachen Wechsel in das beliebte Arbeitsmodell der Zukunft. Auch ein vorübergehender Wechsel in die Brückenteilzeit kann eine Lösung sein, sich einmal von der kräftezehrenden 40-Stunde-Woche zu erholen.