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Teilzeit aus Arbeitgebersicht – Darauf müssen Sie achten

Teilzeit aus Arbeitgebersicht – Darauf müssen Sie achten
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Tanja Tänzer am 06.03.2018

Kommt ein Mitarbeiter mit dem Wunsch nach Teilzeit, schrecken viele Arbeitgeber – vor allem in kleineren und mittleren Betrieben – auf. In ihren Köpfen spielen sich Szenarien von leeren Arbeitsplätzen mit unbearbeiteten Projektstapeln und wilden Umplanungen ab. Doch hat man erst einmal ein machbares Teilzeitmodell entwickelt, lässt sich das ja immer wieder anwenden. Entscheidend ist Ihre Unternehmenskultur. In persönlichen Gesprächen lässt sich für fast alles eine Lösung finden, die für beide Seiten befriedigend ist. Außerdem bringt Teilzeit auch positive Aspekte für Sie als Arbeitgeber mit.

Der Teilzeitbeschäftigte – das unbekannte Wesen

Teilzeitmitarbeiter ist zunächst einmal jeder der nicht die bei Ihnen gesetzte reguläre Wochenstundenzahl erfüllt. Egal ob befristet oder unbefristet Angestellter, jeder Ihrer Mitarbeiter hat das Recht seine Stundenzahl zu reduzieren.

5 Voraussetzungen für die Stundenreduzierung ihres Mitarbeiters

  1. Bei Ihnen arbeiten – ohne Auszubildende – mehr als 15 Beschäftigte
  2. Der Arbeitnehmer, der einen Teilzeitwunsch äußert, ist seit mindestens sechs Monaten ohne Unterbrechung für Sie tätig.
  3. Er hat seit zwei Jahren keine Stunden mehr verkürzt.
  4. Ein Antrag auf Teilzeitarbeit ist bei Ihnen spätestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn eingegangen.
  5. Dem Wunsch nach weniger Stunden stehen keine „betrieblichen Gründe“ entgegen.

Ein Sonderfall ist der Teilzeitwunsch von Angestellten in Elternzeit. Hier gilt: Er muss schriftlich mit sieben Wochen Vorlauf angekündigt werden, sich über mindestens zwei Monate erstrecken und eine Auslastung von 15 bis 30 Wochenstunden umfassen. Ablehnen können Sie einen solchen Antrag nur aus „dringenden betrieblichen Gründen“, etwa wenn Sie bereits eine Vollzeitvertretung eingestellt haben.

Im Gegensatz zu ihren übrigen Kollegen arbeiten diejenigen, die Elternteilzeit in Anspruch nehmen, automatisch in befristeter Teilzeit. Spätestens mit Ende der Elternzeit steigen sie also wieder mit ihrer alten Stundenzahl ein. Alle anderen haben bislang KEIN gesetzlich verankertes Recht auf eine Rückkehr in Vollzeit. Ansonsten sind Teilzeitbeschäftigte den Vollzeitbeschäftigten arbeitsrechtlich jedoch gleichgestellt. Für alle gilt:

5 Dinge die für Teilzeit- und Vollzeitangestellte gleichermaßen gelten

  1. Gleicher Kündigungsschutz
  2. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall/an Feiertagen
  3. Urlaubsanspruch nach Arbeitstagen (noch aus Vollzeit verbleibende Tage werden
  4. eins zu eins übertragen)
  5. Gleicher Stundenlohn wie zuvor in Vollzeit
  6. Sonstige Leistungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, etc.) wird entsprechend Stundenzahl anteilig gewährt

Eine „Ungleichbehandlung“ ist nur aus „sachlichen Gründen“ zulässig. Sie dürfen einem Arbeitnehmer also nicht weniger Stundenlohn bezahlen, nur weil er Teilzeit arbeitet, wohl aber, wenn er weniger qualifiziert ist. Auch muss ein Teilzeitler, der normalerweise vier Stunden am Tag arbeitet, ab der fünften Stunde KEINEN Überstundenzuschlag bekommen, sondern erst – wie jede Vollzeitkraft – mit der neunten Stunde.

5 Nachteile von Teilzeitarbeitskräften

  1. der Verwaltungsaufwand insgesamt ist bei Teilzeitbeschäftigten höher, besonders wenn es um die Verteilung von Führungs- und Organisationsaufgaben geht.
  2. manche Arbeitsabläufe müssen erst auf Teilzeit zugeschnitten werden.
  3. bei Arbeiten an Maschinen müssen weitere Teilzeitkräfte gefunden werden, damit es nicht zum Leerlauf kommt.
  4. Teilzeitarbeiter sind nicht immer greifbar und müssen dadurch eventuell von Kollegen vertreten werden.
  5. bestimmte Teamarbeiten, beispielsweise bei Montagearbeitern, sind in Teilzeit schwieriger zu organisieren.

8 Vorteile von Teilzeitarbeitskräften

Was sich zunächst einmal sehr negativ anhört, birgt aber auch viel positives Potenzial für Sie als Arbeitgeber.

  1. Wer kürzer arbeitet, das hat unter anderem eine Studie des IAB, des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, ergeben, ist motivierter und produktiver als seine Vollzeitkollegen. Außerdem geht er seine Aufgaben meist effizienter an, um sein Pensum auch in verkürzter Zeit zu bewältigen.
  2. Mit Teilzeitarbeitsmodellen können Auftragsschwankungen ausgeglichen und Kundenwünsche besser erfüllt werden.
  3. Teilzeitkräfte sind, dank weniger Stress und mehr Ausgleich, seltener krank und durch die Verminderung des körperlichen und psychischen Drucks länger einsatzfähig.
  4. Fach- und Führungskräfte können mit einem entsprechend attraktiven Teilzeitangebot ans Unternehmen gebunden werden.
  5. Nach der Geburt eines Kindes haben Angestellte die Chance schneller wieder in den Beruf zu kommen und können diesen trotzdem mit dem Familienleben in Einklang bringen.
  6. Mitarbeiter, deren Wunsch nach Teilzeit erfüllt wird, sind loyaler, weil sie sich von ihrem Arbeitgeber verstanden und geschätzt fühlen.
  7. Wer bei der Stellenausschreibung Teilzeit nicht gleich ausschließt, spricht mehr Bewerber an.
  8. Außerdem steigern Teilzeitangebote die Arbeitgeberattraktivität – nicht nur für Ihre aktuellen, sondern ebenso für potenzielle neue Mitarbeiter.

Ihre Pflichten als Arbeitgeber

Hat ein Mitarbeiter die Reduzierung seiner Arbeitsstunden fristgerecht beantragt, haben Sie zwei Monate Zeit, um darüber zu entscheiden. Spätestens einen Monat vor dem gewünschten Teilzeitbeginn müssen Sie sich – im Falle einer Ablehnung mit schriftlicher Begründung – geäußert haben, ansonsten tritt die Teilzeit automatisch in Kraft. Bei einem Antrag in Elternzeit bleiben Ihnen drei Wochen.

Der Gesetzgeber hält den Arbeitgeber dazu an, die Teilzeitarbeit in seinem Unternehmen zu fördern. Darum ist schon bei der Ausschreibung einer Stelle genau zu prüfen, ob diese nicht auch teilzeitgeeignet ist. Ebenso sollen interessierte Mitarbeiter über freie Stellen mit weniger Stundenvolumen informiert werden. Um Schichtarbeitern ebenfalls die Teilhabe zu ermöglichen, kann Ihnen, als Arbeitgeber, auch der Aufwand einer zusätzlichen Übergabe zugemutet werden, so ein Gerichtsurteil. Im Falle einer Uneinigkeit zwischen den Parteien schreibt der Gesetzgeber ein gemeinsames Gespräch vor, mit dem Ziel die Teilzeit einzurichten. Es soll also nach einer für beide Seiten praktikablen Lösung gesucht werden. Ist diese gefunden, muss sie schriftlich, in einem Ergänzungsvertrag zum bestehenden Arbeitsvertrag, festgehalten werden. Einen solchen müssen Sie übrigens auch bei direkter Zustimmung aufsetzen.

Teilzeit ablehnen – wie geht das?

Eine Ablehnung müssen Sie Ihrem Arbeitnehmer immer schriftlich begründen und im Extremfall auch vor Gericht beweisen können. Im Gesetz heißt es, ein Antrag auf Teilzeitarbeit kann abgelehnt werden, wenn:

  • Ihre betriebliche Organisation oder die Arbeitsabläufe wesentlich (!) durch die Verkürzung der Arbeitszeit beeinträchtigt werden,
  • die Sicherheit in Ihrem Betrieb dadurch wesentlich (!) gefährdet ist,
  • Sie für die freien Stunden einfach keinen adäquaten Ersatz auftreiben können
  • oder wenn Ihnen durch die Genehmigung unverhältnismäßige Kosten entstehen würden.

Um einige konkrete Beispiele zu nennen: Sie dürfen einen Teilzeitantrag ablehnen, wenn Sie für den Beschäftigten ansonsten einen zusätzlichen Firmenwagen anschaffen müssten. Und selbstverständlich wird auch niemand von Ihnen verlangen einen für den Job unqualifizierten Bewerber als Ersatzmann einzustellen, wenn es keine anderen Bewerber gibt.

Am besten dokumentieren Sie die Gründe die gegen diverse Teilzeitmodelle in Ihrem Unternehmen sprechen direkt, sodass Sie diese im Falle eines Falles immer gleich griffbereit haben und glaubhaft verargumentieren können.