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Tipps für Teilzeitarbeit – Das sollten Sie wissen

Tanja Tänzer am 21.02.2018
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Tipps für Teilzeitarbeit – Das sollten Sie wissen
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Inhalt:
  1. Was bedeutet Teilzeit?
  2. Wie funktioniert Teilzeit?
    1. Feste Arbeitszeiten
    2. Flexible Arbeitszeiten
  3. Ihr Recht auf Teilzeit
  4. Sonderfall Elternzeit
  5. Teilzeitantrag abgelehnt?
  6. Gut zu wissen
  7. Fazit

Auch heute noch sehen sich Arbeitnehmer und besonders berufstätige Frauen oftmals vor der Entscheidung: Familie oder Karriere. Dabei wollen die meisten beides. Viele Unternehmen haben darauf bereits reagiert: Die Teilzeitarbeit, die sich als eine praktikable Lösung erwiesen hat, nimmt immer mehr zu. Vor allem junge Mütter greifen gerne auf diese Möglichkeit zurück. Denn eine Studie der Düsseldorfer Unternehmensberatung McKinsey hat jüngst gezeigt: Frauen, die nach der Geburt eines Kindes mehr als ein Jahr pausieren, knicken in ihrer beruflichen Laufbahn ein. Lange Auszeiten sind also ein echter „Karrierekiller“. Doch die Gründe aus seiner Vollzeit- eine Teilzeitbeschäftigung zu machen sind sehr individuell. Alles Wissenswerte zum Thema erfahren Sie hier.

Was bedeutet Teilzeit?

Teilzeitarbeit bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes, das Sie nur einen Teil der üblichen Wochenarbeitszeit leisten im Vergleich zu einem voll beschäftigten Kollegen im selben Betrieb, im selben Arbeitsverhältnis und mit vergleichbarer Tätigkeit. Beträgt die übliche Stundenzahl der Vollzeitbeschäftigte in Ihrer Firma beispielsweise 40 Stunden, arbeiten Sie schon mit 39 Wochenstunden nur mehr Teilzeit. Die genaue Definition im „Gesetz für Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge“, kurz TzBfG, lautet: „Teilzeitbeschäftigt ist ein Arbeitnehmer, dessen regelmäßige Wochenarbeitszeit kürzer ist als die eines vergleichbaren vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers.“ Teilzeit ist also weit mehr als der typische Halbtagsjob.

Wie funktioniert Teilzeit?

Wer seine Arbeitszeit reduzieren will, muss das mit seinem Arbeitgeber vereinbaren. In einer individuellen Regelung kann dann festgehalten werden wie die genauen Bedingungen aussehen sollen. Geht es beispielsweise um eine zeitweilige Verkürzung oder eine dauerhafte? Wie viele Stunden sollen abgeleistet werden und wann? Am besten richten sich die Abmachungen natürlich an den Bedürfnissen beider Parteien aus. Möglich ist nahezu alles, wenn sich Vorgesetzter und Mitarbeiter einig sind.

Feste Arbeitszeiten

Eine Möglichkeit sind feste Arbeitszeiten nur eben mit weniger Arbeitsstunden pro Woche. Dabei können Sie beispielsweise fünf Tage die Woche nur vormittags jeweils fünf Stunden arbeiten. Oder aber Sie kommen zwei ganze Tage und einen halben. Wenn Sie nur von Montag bis Mittwoch jeweils fünf Stunden nachmittags arbeiten wollen, geht natürlich auch das – je nach Absprache.

Flexible Arbeitszeiten

Ebenso denkbar sind flexible Arbeitszeiten, die sich an der aktuellen Auftragslage des Unternehmens orientieren. Hier ist allerdings vom Gesetzgeber eine wöchentliche Mindeststundenzahl von zehn vorgeschrieben (die auch bei Nicht-Erfüllung bezahlt werden muss). Ein Arbeitseinsatz muss mindestens drei Stunden umfassen und spätestens vier Tage im Voraus angekündigt sein, ansonsten sind Sie nicht zur Arbeit verpflichtet.

Ihr Recht auf Teilzeit

Jeder Arbeitnehmer, egal ob Minijobber, befristet Beschäftigter oder Abteilungsleiter, hat einen gesetzlich festgeschriebenen Anspruch auf Teilzeitarbeit (§ 8 TzBfG). Dieser ist allerdings an gewisse Voraussetzungen geknüpft:

  • Der Betrieb hat mindestens 15 Beschäftigte.
  • Der Arbeitnehmer ist bereits seit sechs Monaten im Unternehmen tätig.
  • Der Arbeitszeitkürzung stehen keine betrieblichen Gründe entgegen.
  • Seit dem letzten Antrag auf Stundenreduzierung (egal ob erfolgreich oder abgelehnt) müssen mindestens zwei Jahre vergangen sein.

Sind diese Voraussetzungen bei Ihnen gegeben, können Sie bei ihrem Chef einen Antrag auf Teilzeitarbeit stellen, und zwar drei Monate vor dem Termin an dem Sie damit beginnen wollen. Auch wenn es nicht sein muss, so empfiehlt es sich doch das Ganze schriftlich zu machen, um Missverständnissen vorzubeugen und alles dokumentiert zu haben. Einige Sätze zur Begründung sind ebenfalls kein Muss, können die Sache aber erleichtern.

Sonderfall Elternzeit

Ein gesonderter Anspruch besteht während der Elternzeit. Wer diese bei seinem Arbeitgeber beantragt hat (bis zu 3 Jahre möglich), währenddessen aber doch arbeiten möchte, kann den Teilzeitwunsch sieben Wochen vorher schriftlich mitteilen, wenn er für mindestens zwei Monate mit einem Umfang von 15 bis 30 Wochenstunden gilt. Das Bestehen des Arbeitsverhältnisses seit mindestens sechs Monaten und mehr als 15 Betriebszugehörige sind aber auch hier Grundvoraussetzung.

Während mit der Elternzeit auch die Teilzeitvereinbarung endet und danach alles wieder seinen gewohnten Gang geht, gibt es in allen anderen Fällen KEIN Recht auf eine Rückkehr in die Vollzeitbeschäftigung. Lediglich bei einer Stellenneubesetzung sind Mitarbeiter die wieder Stunden aufstocken wollen bevorzugt zu behandeln. Ansonsten ist ein Zurück zur alten Stundenzahl ganz vom Wohlwollen des Chefs abhängig und gesetzlich nicht zugesichert.

Teilzeitantrag abgelehnt?

Das Teilzeitersuchen eines Mitarbeiters muss spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn der Teilzeit schriftlich vom Arbeitgeber abgelehnt werden sonst tritt es automatisch in Kraft. Dabei ist eine Ablehnung gar nicht so einfach und muss gut verargumentiert werden. Aus „betrieblichen Gründen“ Nein sagen kann der Chef wenn:

  • die Organisation des Arbeitsalltags wesentlich beeinträchtigt wird,
  • die eingespielten Arbeitsabläufe über die Maßen in Mitleidenschaft gezogen werden,
  • die Betriebssicherheit gefährdet ist oder
  • wenn der Arbeitgeber mit unverhältnismäßig hohen Kosten belastet würde.

Sollte Ihr Arbeitgeber Ihre Teilzeitforderung abgelehnt haben ist es auf jeden Fall ratsam das nicht stillschweigend hinzunehmen und sich im äußersten Falle juristisch beraten, beziehungsweise die Ablehnung arbeitsgerichtlich prüfen zu lassen.

Gut zu wissen

Teilzeitbeschäftigte haben dieselben Rechte und Pflichten wie ihre Kollegen in Vollzeit. Konkret heißt das:

  • Sie bekommen denselben Stundenlohn wie zu der Zeit, als Sie Vollzeit gearbeitet haben.
  • Weihnachts- und Urlaubsgelb gibt es der reduzierten Stundenzahl entsprechend anteilig.
  • Auch das Recht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bleibt bestehen.
  • Der Urlaubsanspruch richtet sich nach der Anzahl der Wochenarbeitstage. Bsp.: Ihr Arbeitnehmer gewährt 30 Tage Urlaub bei Vollzeit. Wenn Sie aber nur drei Tage die Woche arbeiten, stehen Ihnen 18 Urlaubstage zu (Rechnung: 30 x 3 : 5 = 18). Da Sie aber zwei Tage die Woche sowieso freihaben, müssen Sie für zwei Wochen Urlaub auch nur sechs Urlaubstage „verbrauchen“. Im Endergebnis haben Sie also ebenso viel Urlaub wie zuvor.
  • Die Weiterbildungsangebote müssen sich gleichermaßen an ALLE Angestellten richten.
  • Der Kündigungsschutz in Teil- und Vollzeit ist derselbe.

Fazit

Um die genauen Auswirkungen der Stundenreduzierung auf Ihren Geldbeutel jetzt und in Zukunft abschätzen zu können, stellt das Bundesministerium für Arbeit auf seiner Webseite einen Teilzeitrechner zur Verfügung. Geben Sie Ihre Daten ein und Sie sehen sofort, wie sich die geringere Arbeitszeit auf Ihren Nettolohn auswirkt. Außerdem sollten Sie sich bei Ihrer Rentenversicherung beraten lassen, wie sich die Teilzeitarbeit auf Ihrem Rentenkonto niederschlägt, was diese also für Ihre Bezüge im Alter bedeutet. Denn nur so bleiben Ihnen böse finanzielle Überraschungen erspart.