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Überstunden bei Teilzeit: Was gilt es zu beachten?

Überstunden bei Teilzeit: Was gilt es zu beachten?
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Anastasia Johlen am 09.04.2019

Überstunden gehören für viele Arbeitnehmer zum Alltag. Freizeit und Privatleben  rücken immer mehr in den Hintergrund und die Mehrarbeit stapelt sich. Haben Sie einen Vollzeitjob, verbringen Sie gefühlt mehr Zeit des Tages im Büro beziehungsweise am Arbeitsplatz, als in den eigenen vier Wänden. Doch wie seht es mit Überstunden bei einer Teilzeitbeschäftigung aus? Dürfen Sie überhaupt Mehrarbeit leisten und was ist verboten?

Teilzeit: Müssen Sie Überstunden leisten?

Sowohl für Vollzeit- als auch für Teilzeitkräfte und Aushilfen besteht keine Pflicht, Überstunden zu leisten. Deshalb müssen Sie als Teilzeitkraft ebenfalls keine Mehrarbeit leisten, wenn Ihr Arbeits- oder Tarifvertrag dies nicht ausdrücklich regelt. 

Es handelt sich bei Überstunden um eine freiwillige Handlung, zu der Sie Ihr Arbeitgeber nicht verpflichten darf. Verlangt Ihr Arbeitgeber regelmäßig Überstunden, widerspricht das Arbeitspensum dem Konzept einer Teilzeitbeschäftigung. 

Ausnahme: Überstunden in Notsituationen

Es gibt bestimmte Situationen, in denen eine Mehrarbeit zu leisten ist. Bei diesen Notsituationen kann es sich um Naturkatastrophen, Brand oder Überschwemmungen handeln. Befindet sich Ihr Arbeitgeber in einer Notsituation, kann dieser Ihnen entsprechende Mehrarbeit aufbrummen. 

Wochenstundenzahl: Wie viel Stunden sind in Teilzeit erlaubt?

Möchten Sie in Teilzeit arbeiten, sollten Sie die Arbeitszeit mit Ihrem Arbeitgeber besprechen. Für eine Teilzeitbeschäftigung gibt es keine gesetzlichen Mindeststunden, welche Sie leisten müssen. Wie viele Stunden Sie arbeiten müssen, wird in der Regel im Arbeitsvertrag festgelegt. 

Jedoch ist es auch möglich, dass Sie keine feste Stundenzahl mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren und Sie stattdessen Sätze wie „Arbeitszeit richtet sich nach den Belangen des Unternehmens“ im Arbeitsvertrag finden. Ist das der Fall, handelt es sich um flexible Stundenregelung in Teilzeit. 

Mehrarbeit bei flexibler Stundenregelung in Teilzeit

Einige Arbeitgeber bieten ihren Teilzeitangestellten die Möglichkeit der flexiblen Stundenregelung. Der Angestellte hat im Monat eine sehr geringe Stundenzahl, wobei weitere Arbeitszeit je nach Auftragslage oder Bedarf des Arbeitgebers angepasst wird. Vielleicht klingt diese Variante der Teilzeitbeschäftigung zunächst verlockend, doch ein festes Gehalt erhalten Sie nicht. 

Sie können bei diesem Arbeitsmodell den einen Monat sehr gut verdienen, etwa fast das Doppelte als gewöhnlich, und im nächsten Monat kaum über die Runden kommen. 

Bezahlung für Überstunden: Muss der Arbeitgeber diese zahlen?

Der Arbeitgeber muss die Überstunden bei Teilzeit nur bezahlen, wenn diese von ihm angeordnet wurden oder er der Mehrarbeit zugestimmt hat. Sie können also nicht regelmäßig mehr Stunden arbeiten und auf die Bezahlung für die Mehrarbeit bestehen. Dieses Vorgehen würde auch dem Grundgedanken einer Teilzeitbeschäftigung widersprechen. 

Hat Ihr Arbeitgeber jedoch die Mehrarbeit angeordnet oder diese trotz Kenntnis nicht unterbunden, muss er die Überstunden auch bezahlen. Sie erhalten für die Überstunden den normalen Stundenlohn. Weiterhin kann Ihr Arbeitgeber im Arbeitsvertrag die Bezahlung von Überstunden von Beginn an ausschließen. Teilzeitangestellte können für die Mehrarbeit auch einen Mehrarbeitszuschläge verlangen. 

Regelmäßige Mehrarbeit in Teilzeit

Müssen Sie Überstundenleisten ist zwischen ein paar Stunden oder einer erheblichen Arbeitsdauer zu unterscheiden. Übersteigt die Arbeitsdauer, die eines Vollzeitbeschäftigten, haben Sie als Teilzeitkraft einen Anspruch auf Zuschläge. 

Arbeiten Sie auf Anforderung Ihres Chefs regelmäßig und wiederholt länger als Vollzeitangestellte können Sie neben dem regulären Stundenlohn einen Zuschlag einfordern. Sie können den Mehrarbeitszuschlag auch schon verlangen, wenn Ihre Arbeitszeit die Teilzeitquote übersteigt, jedoch nicht die Arbeitsdauer von Arbeitnehmern in Vollzeit. Bitte wenden Sie sich bei rechtlichen Streitigkeiten bezüglich Anspruch auf Zahlungen etc. an einen Anwalt. 

Teilzeitstelle wird durch Überstunden zum Vollzeitjob

Müssen Sie regelmäßig Überstunden leisten, kann dieses zu einer ausdrücklichen Vertragsänderung führen. Arbeiten Sie wiederholt auf Wunsch Ihres Chefs länger, als im Arbeitsvertrag geregelt, treten Sie automatisch in eine Vollzeitbeschäftigung über. Es handelt sich um eine stillschweigende Änderung des Arbeitsvertrags und Ihre Teilzeitstelle wird zur Vollzeitstelle. 

Diese stillschweigende Vertragsänderung ist besonders für Arbeitnehmer vorteilhaft, welche schon länger in eine Vollzeitbeschäftigung wechseln wollten. Lehnte der Arbeitgeber die offizielle Stundenaufstockung bisher ab, kann er den Betroffenen nicht so einfach gegen seinen Willen in Teilzeit zurückstufen. 

Arbeitgeber: Regelmäßige Überstunden ändern Arbeitsvertrag

Unwissende Arbeitgeber können sich mit diesem Risiko der Mehrarbeit von Teilzeitangestellten quasi selbst ein Bein stellen, insbesondere, wenn sie der Person vorher immer einen Vollzeitjob verwehrt haben. Nur wenn Sie einstimmen, darf Ihr Chef Sie zurückstufen oder mittels einer Änderungskündigung die Teilzeitbeschäftigung reaktivieren. 

Wie wird die automatische Vertragsänderung im stillschweigen begründet?

Wünscht der Arbeitgeber regelmäßig und ständig eine erhöhte Arbeitszeit des Teilzeitangestellten, handelt es sich bei erbrachter Leistung durch den Arbeitnehmer nicht mehr um Überstunden. Es handelt sich um geschuldete vertragliche Leistung.

Lassen Sie sich nicht als volle Arbeitskraft ausbeuten, wenn Sie nicht entsprechend entlohnt werden. Arbeiten Sie nicht über die regulär festgelegte Wochenstundenzahl hinaus, wenn Sie dafür nicht den entsprechenden Ausgleich erhalten. Versuchen Sie eine Teilzeitstelle in eine Vollzeitstelle umzuwandeln, könnte Ihnen die automatische Aufstockung des Arbeitsvertrags in die Karten spielen, falls Sie regelmäßig und wiederholt Mehrarbeit leisten müssen.