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Von Teilzeit zurück in die Vollzeit – So funktioniert‘s

Von Teilzeit zurück in die Vollzeit – So funktioniert‘s
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Tanja Tänzer am 26.02.2018

Wer sich derzeit zur Teilzeitarbeit entschließt, muss sich darüber im Klaren sein, was genau das für ihn und seine berufliche Zukunft bedeutet. Aktuell ist es nämlich so, dass es zwar ein gesetzlich festgeschriebenes Recht darauf gibt, die Zahl der Arbeitsstunden zu reduzieren, nicht aber diese wieder aufzustocken. Sprich: Wer einmal verkürzt hat, hängt oftmals in der sogenannten Teilzeitfalle fest. Häufig schnappt sie über jungen Müttern zu die familienbedingt für einige Zeit kürzertreten wollen oder müssen. Fast die Hälfte der berufstätigen Frauen in Deutschland arbeitet Teilzeit und viele davon – das zeigen Umfragen immer wieder – würden gerne wieder mehr Stunden machen, können aber nicht. Was Sie über das Thema Rückkehr in Vollzeit wissen sollten und wie diese gelingt erfahren Sie hier.

Kein Recht auf Vollzeit

Um es nochmals in aller Deutlichkeit zu sagen: Es gibt momentan keine rechtliche Grundlage die Ihren Arbeitgeber dazu verpflichtet Sie nach der Teilzeit wieder in Vollzeit zu beschäftigen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf, der hier ansetzen wollte, ist 2017 in Berlin gescheitert. Wer also wieder Stunden aufstocken möchte, ist mehr oder weniger auf das Wohlwollen und die Zustimmung seines Arbeitgebers angewiesen.

Es gibt allerdings einige Ausnahmefälle

1. Eltern- und Familienpflegezeit

Mütter und Väter, die in Elternzeit sind, haben – wie jeder andere Arbeitnehmer – ebenfalls ein Recht auf Teilzeitarbeit – WÄHREND der Elternzeit. Im Gegensatz zu allen anderen haben sie aber auch ein Recht auf Rückkehr in Vollzeit, immer vorausgesetzt er oder sie hatte zuvor eine Vollzeitstelle inne. Denn die Teilzeitvereinbarung endet automatisch zu dem Zeitpunkt, an dem auch die Elternzeit vorbei ist. Ähnlich sieht es mit Beschäftigten aus die vorübergehen kürzertreten wollen, um einen Angehörigen zu pflegen. Sie haben – wie Eltern – einen Anspruch auf befristete Teilzeit. Das heißt, nach maximal 24 Monaten Familienpflegezeit können sie wieder ganz normal in Vollzeit einsteigen – je nach Vereinbarung natürlich auch schon früher.

2. Freie Vollzeitstelle

Nach § 9 des „Gesetzes über Teilzeit und befristete Arbeitsverträge“ (TzBfG) ist ein aufstockungswilliger Mitarbeiter bei der Vergabe einer freien oder neu geschaffenen Vollzeitstelle bevorzugt zu behandeln. Voraussetzung ist natürlich das er für diese Stelle ausgebildet und qualifiziert ist. Lediglich „dringende betriebliche Gründe“ oder die Arbeitszeitwünsche anderer Kollegen in Teilzeit können diesem Anspruch entgegenstehen. Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahre 2017 besagt übrigens: Das Angebot des Arbeitgebers, für alle Angestellten die wieder mehr Stunden machen wollen, ein gewisses Zeitkontingent zur Verfügung zu stellen, kommt keiner freien Stelle gleich. Bringt er „arbeitsplatzbezogene Sachgründe“ an kann er sogar neue Teilzeitstellen ausschreiben ohne ein Aufstockung anbieten zu müssen.

3. Betriebsvereinbarung

Der Betriebsrat eines Unternehmens kann eine Betriebsvereinbarung initiieren, die ein generelles Rückkehrrecht für alle Teilzeitkräfte in die Vollzeit, bzw. die Möglichkeiten zur Stundenaufstockung, verbrieft. Liegt ein solcher Vertrag in Ihrem Unternehmen bereits vor, haben Sie als Beschäftigter einen durchsetzbaren Rechtsanspruch. Erkundigen Sie sich am besten schon vor Ihrem Teilzeitantrag beim Betriebsrat, ob es eine entsprechende Abmachung gibt und was genau diese besagt.

4. Individuelle befristete Teilzeit vereinbaren

Es steht jedem Arbeitnehmer natürlich frei, schon zu Beginn seiner Arbeitszeitverkürzung, eine individuelle Regelung seiner Rückkehr in eine Vollbeschäftigung mit seinem Arbeitgeber zu besprechen. Das heißt konkret: Wenn Sie sowieso schon wissen, dass Ihre Reduzierung nur für einen gewissen Zeitraum sein soll, dann verhandeln Sie mit Ihrem Chef gleich im Zuge Ihres Antrags auf Teilzeitarbeit auch Ihren Wiedereinstieg in die Vollzeit und halten Sie alles direkt vertraglich fest. Haben Sie das gemacht, hört Ihre Teilzeit wie vereinbart auf und Sie starten zum festgesetzten Zeitpunkt mit Ihrer ursprünglichen – oder neue vereinbarten - Arbeitszeit.

Zurück zur Vollzeit – so geht‘s

Auch wenn der Wunsch nach weniger Arbeit von Arbeitgeberseite oftmals mit einer Absage an die Karriere gleichgesetzt wird, so sind es doch häufig nur temporäre Gründe die einen Arbeitnehmer in die Teilzeit „treiben“. Denn es stimmt keinesfalls, dass Teilzeitmitarbeiter beruflich nicht nach höheren Zielen streben würden. Sind die Kinder älter oder ist die Weiterbildung abgeschlossen wollen viele wieder richtig durchstarten. Schließlich gibt es für sie keinen Grund mehr beruflich kürzerzutreten. Wenn auch Sie dazugehören und von Ihrer Teilzeitstelle wieder in die Vollzeit wechseln oder Ihre Stunden aufstocken wollen … 

  • … dann müssen Sie Ihren Arbeitgeber zunächst über diesen Wunsch informieren. Und zwar schriftlich mit einem Antrag in dem Sie – wie bereits zuvor beim Antrag auf Teilzeitarbeit – Ihrem Chef die gewünschte Arbeitszeit mitteilen. Schriftlich ist in diesem Falle wichtig, da Sie im Streitfall etwas in der Hand haben. Sollte Ihr Wunsch trotz freier Stelle also abgelehnt werden, können Sie mithilfe Ihres Antrags vor Gericht darlegen, das Ihr Anliegen bekannt war.
  • Nach Ihrem Antrag stimmt Ihr Arbeitgeber einer Aufstockung entweder direkt zu oder aber Sie kommen auf eine „Warteliste“ mit all denjenigen, die ebenfalls mehr Stunden arbeiten wollen. 
  • Anschließend sollten Sie von Arbeitgeberseite aus darüber informiert werden, wenn eine passende Stelle geschaffen oder frei wird. 
  • Jetzt können Sie sich intern auf diese bewerben. Haben mehrere Kollegen eine Aufstockung beantragt, bekommt derjenige die Stelle, der sich durchsetzen kann, weil er am besten dafür qualifiziert ist. Bei gleicher Qualifikation kommen soziale Bewertungskriterien ins Spiel. Das heißt, eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern ist einem alleinstehenden Mitarbeiter bei der Stellenbesetzung vorzuziehen.

Fazit

Trotz der zunächst erfolgten Ablehnung des Gesetzentwurfs zur Rückkehr von Teil- in Vollzeit ist das Thema politisch noch immer höchst brisant, heiß debattiert und lange nicht vom Tisch. Darum ist eine Anpassung des TzBfG in dieser Legislaturperiode keineswegs ausgeschlossen. Arbeitsrechtler gehen jedoch davon aus das es sich bei der potenziellen rechtlichen Neuerung nicht um die Einführung eines bedingungslos einklagbaren Rechts auf Rückkehr in Vollzeit handeln wird. Vielmehr rechnen Sie damit das zuvor erwähnter § 9 überarbeitet oder besser ergänzt wird. Damit gäbe es wohl kein generelles Rückkehrrecht, sondern vielmehr einen Anspruch auf eine von vornherein befristete Teilzeit.